Wie soll man sich heute diesem Fixlein nähern? Er ist einer der unbedeutendsten Menschen, ein Dorfschulmeister in einem der winzigen Kleinstaaten im Deutschland gegen Ende des 18.Jahrhunderts. Er ist so arm, dass er nicht ans Heiraten denken kann. Kurz bevor die dicke, adlige Frau von Aufhammer an Apoplexie stirbt, verhilft sie ihm zu einem Konrektor-Pöstchen, und bald darauf gelingt es ihm auf Grund einer Namensverwechslung, die vakante Dorfpfarrei zu ergattern, so dass seine Seligkeit keine Grenzen kennt. Immer wenn er am Schloss vorbeigeht, zieht er schon von fern den Hut - an die etwa zeitgleiche Französische Revolution darf man unter diesen Umständen nicht denken! Er kann jetzt geruhsam seinen gelehrten Neigungen nachgehen, die allerdings gelegentlich wie verschrobene Erbsenzählereien oder Pedanterien aussehen. Fixlein ist von seinem Glück überwältigt, besonders als er auch heiraten und sein Haus bestellen kann. Sein Leben scheint eine einzige Idylle, wobei der Gedanke an den Tod jedoch auch immer im Hintergrund droht, denn in seiner Familie ist bisher keiner älter als 32 Jahre geworden, und die Frage ist, ob er seinen 32.Geburtstag überstehen wird.
Der Dichter Jean Paul lernt ihn just in diesem kritischen Moment seines Lebens kennen, wird Taufpate bei dem Erstgeborenen und schreibt das vorliegende Buch über ihn. Dass mit seinem Fixlein an sich kein großer Staat zu machen ist, deutet er am Ende selbst an: Man müsse dieses bürgerliche Leben für sich genommen nicht "achten", aber man sollte es lieben und es als eine "Verästung" des "menschlichen Lebens" wie einen Roman poetisch genießen. Er zieht schließlich eine allgemeine "Glückseligkeitslehre" aus der Betrachtung dieses Lebens, nämlich ein "volles Leben" zu führen, ganz in der Gegenwart zu leben und sich dem Nächstliegenden zuzuwenden.
Was Jean Paul unter "volles Leben" versteht, wird immer wieder an Fixleins Leben deutlich oder als er, der Dichter, selbst zu Fuß des Nachts nach Hause zurückwandert: "Das Herz des verwandten ewigen Menschen schwoll unter dem ewigen Himmel, wie die Meere schwellen unter der Sonne und unter dem Mond", heißt es. Das bedeutet, dass der Dichter das menschliche Leben, auch das geringste, immer in einem universalen Zusammenhang sieht. Entsprechend wird ihm alles zum Gleichnis, von hier aus erklärt sich auch die wuchernde Metaphorik seiner Schreibweise, die für den gegenwärtigen Leser indes ein weiteres Hemmnis sein kann. Dieser Dichter wollte nicht nur vom Alkohol "berauscht" sein, sondern "den ganzen Tag, das ganze Leben hindurch." Das ist das staunenswerte, gesteigerte Lebensgefühl Jean Pauls, wofür es sich lohnt, die teilweise mühsame Arbeit des Lesens und Verstehens auf sich zu nehmen.