Sherry Turkle greift das Thema Internet von einer ganz neuen Seite auf. Es handelt sich hierbei um ein Sachbuch, das jedoch einfach und verständlich viele Themen rund um das Internet aufgreift. Künstliche Intelligenzen, künstliches Leben, Computerprogramme, die den Psychiater ersetzen sollen, computergesteuerte Persönlichkeiten, die fast nicht vom Menschen unterschieden werden können und vieles mehr wird aufgegriffen und mit lebensnahen Beispielen und Aussagen untermalt und belegt. Kernstück Turkles Arbeit ist die Beschäftigung mit virtuellen Gemeinden. Hierbei wird sehr anschaulich erläutert, wie sich Gemeinschaften im Internet bilden können, was sie ausmacht und welche Wirkung dies auf unser Verständnis vom Selbst hat. Ihre These ist, dass das Internet uns eine Möglichkeit bietet, zu erkennen, dass wir nicht eine klar definierte Identität besitzen, sondern "Viele" sind. Das Ausleben verschiedener Persönlichkeiten in Online-Welten, virtuelle Partnerschaften und sexuelle Erfahrungen innerhalb eines andersgeschlechtlichen virtuellen Körpers, ja sogar der Ausbau einer stischen Persönlichkeit innerhalb einer Homepage sind Optionen, die uns das Internet bietet und somit einen neuen Erfahrungsraum im Sinne der Postmoderne eröffnet. Das dezentralisierte, multiple Ich ist nicht länger Teil eines psychologischen Krankheitsbildes sondern Bestandteil eines jeden Menschen. Mich persönlich hat das Buch sehr zum Nachdenken über mich selbst angeregt. Die vielen Beispiele aus Turkles langjährigen Untersuchungen machen dieses Buch selbst für weniger Internet-Interessierte zu einem Leseabenteuer, in dem er im günstigsten Fall eine Menge über sich selbst erfährt.