... kaufe ich jetzt dieses Buch - und dieses Exemplar werde ich bestimmt nicht wieder verleihen.
Zwar ist die Übersetzung, die BasteiLübbe hier vorlegt, grottenschlecht, aber das Buch selbst läßt sich von den unfreiwillig komischen Ausrutschern wenig beeindrucken. Natürlich, ja - dieser Gefreite Smith aka Lazarus Long ist schon ein Drecksack. Und, auch natürlich, trampelt Heinlein auf allzu zarten Gemütern genußvoll herum. Aber: die Ambivalenz des Charakters Long so zu zeichnen, wer unter Heinleins zeitgenössischen Berufskollegen hätte das denn wirklich geschafft? Niven tut nur so als könnte er es, Dick könnte es, aber macht sich die Mühe nicht und Willi Volz hätte es gekonnt, wenn man ihn gelassen hätte.
Heinlein, wie immer, nimmt keinerlei Rücksichten als eben die auf sein eigenes Erzählvergnügen. Und dieses Vergnügen vermag er zu vermitteln, über die schlechte Übersetzung und alle Kritik hinweg. Dieses Buch ist außerordentlich unterhaltend, aber es ist weit mehr als das.
Lazarus Long ist eine Schlüsselfigur zu dem beeindruckendsten Oeuvre, das die phantastische Literatur zu bieten vermag. Will man dieses Gesamtwerk allerdings, man verzeihe mir die Anleihe, "in Fülle groken", muß man Jubal Harshaw, Dr. Baldwin und seine Tochter Marjorie (die vor allem!), muß die Carters und die Burroughs kennengelernt haben, und es schadet auch sicher nicht, wenn man mit Alex Hergensheimer, mit Herrn Bonforte und mit Hazel Stone ein wenig vertraut ist.
Long erschließt aber auch den Zugang zur "Zahl des Tiers", einem Buch, dem man ohne Kenntnis des Heinleinschen Vorwerks ziemlich hilflos ausgeliefert wäre.
Wer sich, wie der Amazon-Redakteur Hannes Riffel, zu Bemerkungen über Heinleins vorgeblichen Sexismus zu versteigen traut, sollte vorher etwas über die Person Heinlein, sein selbstgeschaffenes (und keineswegs geträumtes) Umfeld und nicht zuletzt auch etwas über die Zeitläufte wissen. Sonst setzt man sich nämlich dem bösen Verdacht aus, abgeschrieben oder, noch schlimmer, nur nachgeplappert und dabei substantiell etwas nicht verstanden zu haben. Stört jemanden, daß manche Themen behandelt, auch vertieft und wiederholt angesprochen werden, sollte man sich, bevor man Laut gibt, vielleicht 'mal fragen, *warum* denn das da steht.
Dazu ist garnicht viel literarisches oder semantisches Verständnis notwendig, die Leben des Lazarus Long erschließen sich nämlich durchaus auch dann, wenn man sich nicht die Mühe macht, es "gegen den Strich" zu lesen. Selbst wenn man es nur zu Unterhaltung liest und dabei ein wenig Sorgfalt walten läßt, erkennt man Heinleins Achtung vor Bildung, vor der Weiblichkeit oder genauer gesagt vor der weiblichen genauso wie vor der männlichen Sexualität, vor und über allem aber versteht man Heinleins tiefen und aufrichtigen Respekt vor dem Leben an sich.
Und das Buch macht wohl zuviel Spaß, als daß man es zurückgeben möchte.