Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich ein gutes Buch über Jean Paul suchte. Allein als Biographie über einen fast vergessenen Schriftsteller ist das Buch lesenswert, aber noch aufwühlender ist es als ein Bericht über eine Zeit, die aus 200 Jahren Abstand eigentlich immer nur verklärt wird. Wunderschön nostalgische Verfilmungen der Romane von Jane Austen haben ein Übriges getan, um bei vielen gestreßten und termingeplagten Menschen des 21. Jahrhunderts den Eindruck entstehen zu lassen, vor 200 Jahren sei das Leben irgendwie besser, gemächlicher, zufriedener gewesen. Das krasse Gegenteil ist der Fall. De Bruyn macht ganz nüchtern deutlich, wie brutal die damaligen Menschen von Geburt an bedroht waren durch Krankheiten, Tod, Elend, schlimmste Armut, Schmutz, Unterdrückung, Kriege und was nicht noch alles. Selbst in unseren schlimmsten Albträumen können wir uns das Leben in der damaligen Zeit nicht ausmalen. De Bruyn macht zumindest den Versuch und hat dabei immer auch die weniger Priviligierten im Blick, zu denen Jean Paul ja auch gehörte.
Ein fantastisch gut geschriebenes Buch, das einen sehr nachdenklich zurücklässt, wenn man diese Realitäten einmal an sich heranlässt, - und einen auch wieder etwas nachsichtiger werden lässt mit den Unzulänglichkeiten der eigenen Epoche. Ach ja, - und über Jean Paul erfährt man auch sehr viel und bekommt Lust, zumindest einmal anzufangen, seine Bücher zu lesen, wenn man auch nicht so ganz viel Hoffnung hat, dies auch durchzuziehen, denn wie wenige andere Autoren steht Jean Paul quer zu allem. Aber auch diese nüchterne Einschätzung ist ein Gewinn aus der Lektüre dieser außergewöhnlichen Biographie.