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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es gibt nichts zu verändern, aber es gibt viel zu verstehen , 25. Februar 2008
"Die Literatur rächt sich am Laien, der sich mit ihr beschäftigt, indem sie ihn mit Metaphern versorgt." (Neue Scholien II, 1986). Es mag nicht in Davilas Sinne sein, wenn sich europäische Literaturkonsumenten auf solche Weise seines Werkes bemächtigen, aber dieser Weg der Rezeption scheint nahezu unvermeidlich, wenn Davila, wie sich andeutet, vom "Geheimtip" zum Stichwortgeber intellektuellen Smalltalks mutiert. Und - warum auch nicht? Wenn's nach Davila gegangen wäre, hätten wir von seinem Werk schließlich gar nichts erfahren, denn er hat sich zeitlebens nicht um Öffentlichkeit und Anhängerschaft bemüht.
Davila, europäisch gebildet und denkend, hat die total zerrüttete Gesellschaft Kolumbiens als seinen Lebensraum erwählt, nicht um das Licht des Geistes und der Kultur in diese helfend einzubringen, sondern, im Gegenteil, weil ihm die Geistferne dort am einladendsten schien für einen Denker, der bereit ist, seine Produktion ohne Rücksicht auf ein Publikum und eine Nachwelt in völligem Alleinsein zu entwickeln. Hierin - und in gewisser Weise auch inhaltlich - ähnelt er anderen großen Einsamen, wie Nietzsche, Benn und Pessoa. Was ihn von den drei Genannten vor allem unterscheidet, ist seine Sympathie für den Katholizismus, den er auf eine ebenso gedankenscharfe und pointierte Weise verteidigt wie vor ihm Gilbert K. Chesterton. Die Stoßrichtung geht hauptsächlich gegen Ideen der Gleichheit und des Humanismus. In "flachen Hierarchien" und in der Vergötterung des Menschen werden Ursachen für Geistlosigkeit und vor allem für Unfreiheit erkannt.
Der Herausgeber dieser aufwändig gestalteten Auswahl aus Davilas Werken, Martin Mosebach, fragt in seinem Einführungsessay, wie es wohl geschehen könne, dass ein Autor mit solchen Thesen, die in vielem dem ideologischen Überbau der modernen kapitalistischen Gesellschaften radikal widersprechen, dennoch gerade dort zunehmend Anklang finde? Ich glaube, es ist vor allem der kompromisslose Verzicht auf alle modernen "Belohnungen" (Erfolg, Berühmtheit, Wirkung) und damit das Einssein von Werk und Lebensgang, was hier faszinierend und vorbildgebend wirkt. In der konsequent gelebten, selbstgewählten, "aristokratischen" Einsamkeit liegt zu einem gewichtigen Teil die Attraktion, die Davila ausübt und die weiter steigen dürfte in dem Maß, in welchem sich die Gesellschaften der abendländisch geprägten Welt weiter in die Richtung entwickeln, die Davila prognostiziert und zugleich scharf kritisiert hat. Wir beginnen zu begreifen, dass Beharren auf Tradition und Widerstand gegen "Fortschritt" Wege eröffnen, die Illusion einer sich angeblich immer schneller ändernden Welt hinter sich zu lassen und sich dem Wesentlichen, dem Unwandelbaren, zu nähern.
"Wir sollten nur lesen, um zu entdecken, was wir ewig wiederlesen sollten" sagt Davila im Ersten Band der 1977 veröffentlichten "Scholien". Für mich stellt Davila eine solche Entdeckung dar - unerschöpflich und immer wieder neu anregend.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Im Gedenkan an einen kleinen aber dennoch großen Mann..., 17. Juni 2008
Ich bin erst 21 Jahre alt, habe in meinem Leben aber dennoch schon das eine oder andere erleben dürfen.
Als ich Davila zum ersten Mal las (ich bin über ausgestellte Aphorismen im "Vatikan-Magazin" auf ihn gestoßen) kamen mir zwar nicht die Tränen aber ich merkte eine Art Seelenverwandten gefunden zu haben und das machte mich außergewöhnlich glücklich und erleichtert.
Seit "Ewigkeiten" betrachte ich den "Fortschritt" dieser -von Gott geschaffenen- Welt mit unbeugsamen Misstrauen.
Dinge die von den anderen Menschen als vollkommen selbstverständlich hingestellt und als Teil einer natürlichen Entwicklung betrachtet werden sind mir zutiefst suspekt.
Werden sich die Dinge jemals ändern? Nein, ich glaube nicht-wie heißt es noch in der Offenbarung: Die Christen werden verfolgt werden?Wenn ich mir die Entwicklung der heutigen Tage vor Augen führe könnte ich mir das sogar irgendwann vorstellen.
Bleibt uns Reaktionären nur noch das Leben in der Vergangenheit.
Davila war (genauso wie ich) ein Ewiggestriger und stolz darauf.
Und um es in seinen Worten auszudrücken: Wir sind wie Passagiere auf hoher See, die vornehm Schiffbruch erleiden.
Gott segne Dich Nicolas
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