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Leben des Galilei: Schauspiel (edition suhrkamp)
 
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Leben des Galilei: Schauspiel (edition suhrkamp) [Taschenbuch]

Bertolt Brecht
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 161 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 73 (7. Mai 1963)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518100017
  • ISBN-13: 978-3518100011
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,6 x 0,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 357 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bertolt Brecht
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Text und Kommentar in einem Band. In der Suhrkamp BasisBibliothek erscheinen literarische Hauptwerke aller Epochen und Gattungen als Arbeitstexte für Schule und Studium. Der vollständige Text wird ergänzt durch anschaulich geschriebene Kommentare. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Der Autor über sein Buch

"Das Leben des Galilei wird vermutlich neben der Heiligen Johanna der Schlachthöfe und dem Kaukasischen Kreidekreis und einigen Stücken Lyrik Brechts größten Anspruch auf Unsterblichkeit begründen." W. E. Süskind

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Glaube und Vernunft, 8. Februar 2008
Berthold Brecht vollendete das Theaterstück "Leben des Galilei" im Jahr 1938 im dänischen Exil. Die Uraufführung des Stückes war am 09.09.1943 in Zürich.

In dem Theaterstück "Leben des Galilei" geht es um, wie der Name schon verrät, das Leben des Galileo Galilei. Die Geschichte spielt in Italien im 17.Jahrhundert. Dem Physiker Galileo Galilei gelingt es mithilfe des gerade neu erfundenen Fernrohrs das kopernikanische Weltbild zu beweisen und somit das ptolemäische, nach welchem die Erde Mittelpunkt des Universums sein soll, zu wiederlegen. Für die damals sehr mächtige katholische Kirche ist die Verbreitung des Kopernikanischen Weltbilds Ketzerei. Hieraus entstehen die Konflikte zwischen Galilei und der kathloischen Kirche, die das wesentliche Thema der Geschichte sind.

Das Stück ist in 15 Szenen unterteilt und am Beginn jeder Szene befindet sich eine Strophe eines Gedichtres und ein einleitender Satz, welche das Geschehen in der nachfolgenden Szene kurz zusammenfassen.

Die Handlung der Geschichte verläuft nicht geradlinig, das heisst es gibt Sprünge in Ort und Zeit. Die gesamte Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von 28 Jahren und wechselt zwischen den Orten Venedig, Florenz und Rom. Unter anderem daran lässt sich erkennen, dass das Stück ein episches Theaterstück ist.

Ein episches Theaterstück hat verschiedene Eigenschaften und Aufgaben, die sich auch mehr oder weniger gut an diesem Werk erkennen lassen.

Durch Verfremdungseffekte soll es dem Zuschauer schwer gemacht werden, sich mit den Figuren zu identifizieren. Dieser Aspekt gelingt in diesem Werk meiner Meinung nach nur teilweise. Die nicht sehr ausführliche Beschreibung von Galilei und die Sprünge in der Zeit zwischen zwei Szenen erschweren es zwar sich in die Lage Galileis hineinzuversetzen, aber durch die nachvollziebaren Handlungen des Galilei wird dies trotzdem ermöglicht. Auch wird die Figur des Galilei nicht nur durch wissenschaftliche Neugier angetrieben, sondern auch aus finanziellen Gründen, was ihn in meinen Augen auch eher menschlich erscheinen lässt. Diese Verfremdungseffekte gelingen Brecht meiner Meinung nach in dem Werk "Die Dreigroschenoper" besser. Hier ist es wesentlich schwerer sich in die Lage der Figuren hineinzuversetzen.

Allerdings gibt es auch Dinge, die beide Werke gemeinsam haben. Das Stück "Leben des Galilei" ist wie auch die Dreigroschenoper in einer einfachen und verständlichen Sprache geschrieben, was das Lesen des Textes sehr einfach macht. Auch sind beide Werke an einigen Stellen ein wenig komisch, was das Lesevergnügen erhöht.

Eine wichtige Aufgabe des epischen Theaterstücks ist, dem Zuschauer gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und sie zum Nachdenken anzuregen. Blickt man hinter den Text, wird das eigentliche Thema des Stückes deutlich. Es geht um den Konflikt zwischen Glaube und Vernunft. Durch das Verhalten der Geistlichen wird die Frage aufgeworfen, inwieweit der Mensch an seinen alten Überzeugungen hängt und bereit ist sein eigenes Weltbild zu überdenken. Dieser tiefere Sinn des Stückes ist ziemlich leicht zu erfassen. Ich denke, dass man darüber auch heutzutage noch nachdenken sollte, weshalb ich das Stück durchaus geeignet für eine Schullektüre halte.

Auch zu anderen Zeiten schien dieses Thema aktuell zu sein. So schrieb Albert Einstein in einem Brief an Brecht im Jahre 1939, dass ihm das Stück "Galilei" große Freude gemacht habe und der Inhalt des Buches angesichts der politischen Probleme seiner Zeit besonders interessieren müsse. Auch lobte Einstein besinders die Darstellung des Galileo Galilei und den Einblick in die Problemstellung, wie sie Galileo vorlagen.

Andere Rezensenten aus der heutigen Zeit schreiben, dass ihnen die Sprache des Werkes sehr gefalle, ihnen aber ein wenig die Spannung fehlt.

Meine zusammenfassende Wertung des Stückes fällt weitesgehend positiv aus. Gut ist, dass das Stück in verständlicher Weise geschrieben wurde und die Handlung durchgehend nachvollziehbar ist. Dadurch ist es nicht so anstrengend das Buch zu lesen und der tiefere Sinn des Stückes erschließt sich einem leichter.

Weniger gut ist, dass die Geschichte zum Ende hin ein wenig langweilig wird, was sich aber nicht ins Endlose hinzieht, da das Stück sowieso nicht so lang ist.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Popstar der Physik, 3. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Leben des Galilei: Schauspiel (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Natürlich ist die Erde das Zentrum der Welt und am Himmel befestigt, natürlich dreht sich die Sonne um die Erde, ebenso wie alle übrigen Gestirne um die Erde rotieren, in ihrer jeweiligen Schale, die verhindert, dass sie vom Himmel herabfallen. Natürlich ist die Erde das Zentrum der Welt - wo, wenn nicht im Mittelpunkt der Schöpfung Gottes solle der Mensch denn stehen?

Das Bibel-fundierte selbstverständliche Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche, das Jahrhunderte überdauerte, wird erschüttert, als ein Professor der Mathematik zu Padua mittels des jüngst erfundenen Teleskops vier kleine Möndchen entdeckt, die scheinbar harmlos kreisend sich um den Jupiter bewegen - nach Verständnis des Ptolemäischen Weltsystem hätten sie dies gar nicht tun können, da die Monde die obligaten Begrenzungen der gedachten Himmelsschalen durchgebrochen hätten und vom Himmel einfach hätten herabfallen müssen.

Galileis Entdeckung, die den Beweis des Kopernikanischen Weltbilds bedeutet, erzeugt einen wissenschaftlichen Enthusiasmus, der den Physiker in morbidem, realitätsimmunem Optimismus alle pragmatischen Verhältnisse übersehen lässt: Vom Glauben an die Vernunft im Menschen und dessen Streben nach Wahrheit angetrieben, publiziert der renommierte Physiker seine Entdeckungen, um sie dem gewöhnlichen Volk zu Nutzen kommen zu lassen, nicht in Latein, der Sprache der Wissenschaft, sondern in der Nationalsprache Italienisch, der Sprache der Plebs, und erreicht damit die Massenwirksamkeit der Physik und ihrer Erzeugnisse. Galileo Galilei wird zum Popstar der Physik und begründet ein neues Zeitalter: ein Zeitalter des Zweifelns an gottgegebenen Verhältnissen.

"Sollen wir die menschliche Gesellschaft auf den Zweifel begründen und nicht mehr auf den Glauben?" - die Heilige Kongregation des Vatikans diffamiert Galileis Publikationen als Frevel und Blasphemie und denunziert die Vernunft als Substitut für den Glauben. Sie sieht das Ptolemäische Weltbild, das jeher als Legitimation der Macht des Klerus und des Adels diente, gefährdet durch Galileis Entdeckungen und damit die Autorität der Kirche und der Grundherren in Zweifel gezogen: Die Ehrfurcht des gewöhnlichen Volkes vor der Allmacht Gottes droht durch die vor der Wissenschaft und deren generierte Maschinen ersetzt zu werden.

Der Klerus droht - Galilei spricht: "Ich muss es wissen.", und forscht weiter. Die gesellschaftlichen Folgen seines Forschens und Entdecken in toto tangieren ihn kaum. Als ihm jedoch die persönlichen Konsequenzen in Form von Folter und Verhören durch die Heilige Inquisition präsent werden, die ihn bereits einmal acht Jahre lang wissenschaftlich pausieren ließen, sagt er seinen Idealen ab, widerruft das bereits Bewiesene und erschüttert hiermit die Grundfeste der freien Forschung: der Popstar der Physik also nicht als Märtyrer der Wissenschaft.

Bis zu seinem Tod steht Galileo Galilei unter der strengen Observation der Kirche und betätigt kirchenfreundliche und folglich belanglose Forschungsarbeit. Die beständige Furcht vor der Inquisition scheint ihn zu einen braven, streng religiösen Pseudo-Wissenschaftler mutiert haben zu lassen, dem nichts hochheiliger ist als die hochheiligen Prinzipien der hochheiligen Kirche. Erst spät wird dem Leser offenbart, wie die wahren Ambitionen hinter der Maske der religiösen Seligkeit aussehen: Die "Discorsi", eine Abhandlung Galileis die Mechanik und Fallgesetze betreffend, die auch heute noch als Grundlagen der Physik elementare Bedeutung genießt, belegen Galileis weiterhin vorhandenen Forschergeist, der eingezwängt im engen Korsett kirchlicher Unvernunft zwar gezähmt, nicht jedoch gänzlich unterbunden werden konnte.

Bertolt Brecht ist ein Drama gelungen, das unter Verwendung von humorvoll ironischer Untermalung, die mit zunehmender Brisanz der Handlung (im Dienste der Authentizität) in ihrer Präsenz geringer wird, das Leben und Wirken eines der bedeutendsten Physiker schildert, der keinesfalls als charismatischer Held dargestellt wird, sondern sich vielmehr als begeisterter Forscher exponiert, den einerseits die realitätsferne Überzeugung von der Vernunft im Menschen prägt, andererseits als Mensch wie Du und ich an Enttäuschung und Selbstkritik leidet nach dem scheinbar feigen Widerruf seiner belegbaren Entdeckungen ("Ich habe meinen Beruf verraten"). Durch Brechts implizierter Kritik an einem Zeitalter des Glaubens und nicht des Denkens stellt "Leben des Galilei" ein literarisches Werk dar, das auch in unserer als modern und aufgeklärt imprägnierten Welt von Belang ist: Galileo Galilei war seiner Zeit voraus und auch heute noch scheint wiederum die röm.-kath. Kirche noch nicht bereit die längst notwendige Anpassung an geänderte gesellschaftliche Umstände zu tätigen (Verbot der Verwendung von Präservativen, Untersagung der weiblichen Besetzung des Priesteramtes, Festhalten am geweihten Amt in der apostolischen Sukzession, etc.).

"Leben des Galilei" ist ein Lehrstück über Lüge, Selbstbetrug aus Machtgründen und ein Desiderat an Toleranz, das nur zu gut in das Entstehungsjahr 1938/39 und den Unterdrückungsapparat des NS-Regimes passt: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Gutes Stück, gute Ausgabe, 29. November 2001
Was soll man groß zu diesem Stück sagen. Mir gefiel es sehr, um einiges besser als die "Kleinbürgerhochzeit", eines von Brachts frühen Werken.

Was mir aber am besten gefiel war die Ausgabe, die wirklich hervorragend ist. Suhrkamp hat sich viel Mühe gegeben, den Leser beim Lesen mit zusätzlichen Informationen oder Erklärungen zu einigen Textstellen zu versorgen ohne dabei den Fluss zu unterbrechen. Zusätzlich befinden sich im Anhang noch Interpretationsansätze, eine Biographie des Autors und eine umfangreiche Bibliographie. Die Ausgabe ist vor allen Dingen für die Schule zu empfehlen.

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