Zum Schillerjahr war es für mich eine willkommene Angelegenheit, mich jenseits des Schuldwissens mit dem Leben des Friedrich Schiller zu beschäftigen. Damm hat nicht eine reine Biographie geschrieben, vielmehr ist es ein Rahmen für eine Vielzahl von autobiographischen Schriftstücken Schillers sowie der Zeitgenossen, mit denen er zu tun hatte, Schiller + Co., insbesondere Goethe, in ihren eigenen Worten. Da sie alle gut schreiben konnten (wer, wenn nicht sie?, liest es sich sehr gut. Es gibt einen guten Einblick in die persönliche Situation von Schiller, der einem dabei mit seinen finanziellen Nöten, seiner angeschlagenen Gesundheit, dem rastlosen Schreiben gegen die ablaufende Zeit aufgrund seiner Krankheiten und mit seinem Familiensinn viel näher kommt, als es einem in der Schule etwas dröge, vor allem die Dichterfreundschaft zwischen Goethe und Schiller, geschildert wurde. Gerade die Gegensätze und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden sind spürbar und reizvoll.
Der Schwerpunkt des Buches ist jedoch, wie der Titel schon sagt, das Leben Schillers. Seine Arbeiten an den Werken werden natürlich auch ausführlich dargestellt, es wäre aber für mich z. B. hilfreich gewesen, wenn wenigstens kurz die Inhalte dargestellt werden, denn nicht alle Dramen und Gedichte Schillers hat man im Detail im Kopf und man möchte nicht jedes Mal anderweitig nachschlagen. Wenn z. B. der Herzog bestimmte Passagen in den Werken nicht gefallen, wäre eine ausführlichere Darstellung der kritisierten Stellen durchaus hilfreich gewesen- das Buch wendet sich ja an eine breite Leserschaft. Und wenn z. B. über Spottverse über das "Lied von der Glocke" geschrieben wird, wäre es schön, wenn wenigstens eine kleine Passage zitiert werden würde. So wird man neugierig gemacht, kommt aber kaum an die Information. Ebenso wäre es schön gewesen, wenn nicht nur über die verschiedenen Gemälde, Büsten etc. von Schiller ausführlich geschrieben würde, sondern sie auch abgedruckt wären, denn so kann man kaum nachvollziehen, auf was sich die Autorin bezieht. Gleichfalls hätte es mir gefallen, wenn noch ein kleiner Abschnitt über Schillers Familie nach seinem frühen Tod enthalten gewesen wäre, da sie einem in den Zitaten regelrecht ans Herz wächt und ich gerne mehr erfahren hätte, wie es mit ihnen weiterging.
Jetzt sind meine Kritikpunkte vielleicht etwas lang ausgefallen im Vergleich zu meinem Lob; insgesamt hat mir die Biographie aber sehr gut gefallen und mich z.T. regelrecht in ihren Bann gezogen. Jetzt bin ich sozusagen gut auf das kommende Schillerjahr vorbereitet und gespannt, was hier alles geboten sein wird.