Marina Nemat lebt mit ihrer Familie glücklich und zufrieden in Toronto, Kanada. Doch eines Tages kann sie nicht mehr schlafen, die Bilder ihrer Vergangenheit quälen sie zu sehr und so beginnt sie nach und nach, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Erster Leser ist ihr Mann, der geschockt ist, nichts davon gewusst zu haben, seine geliebte Frau nicht einmal danach gefragt zu haben.
Den 15. Januar 1982 wird Marina Nemat niemals vergessen. An diesem Tag klingelte es abends und sie wusste gleich, dass dieser Besuch ihr galt. Sie wurde ins berüchtigte Evin-Gefängnis gebracht. Der Vorwurf: sie habe einen Streik ausgelöst, als sie ihre Lehrerin um Mathematikunterricht bat, der eigentlich auf dem Stundenplan stand. Doch die Lehrerin, Religionswächterin, wollte lieber über Politik sprechen und verwies Marina der Klasse. Womit die Lehrerin nicht gerechnet hatte ' sämtliche andere Mitschülerinnen folgen Marina, was ihr als Streikaufrührerin ausgelegt wird. Ferner wird ihr Redaktionsätigkeit bei der Schülerzeitung vorgeworfen, hier soll sie aufrührerisch gegen die Regierung geschrieben haben. Im Verhör werden Namen von ihr gefordert, Namen, die den Wächtern längst bekannt sind, die Marina trotzdem nicht verrät. Nicht mal unter der Folter. Hier findet sie ihre Kraft im Gebet und erträgt dies bis sie ohnmächtig wird. Kurz danach wird sie zu einem lichtdurchfluteten Platz gebracht, hier soll ein Erschießungskommando stattfinden, Marina wird in allerletzter Minute gerettet. Ihr Todesurteil in eine lebenslange Haft umgewandelt. Ihr Wohltäter heißt Ali und ist ein Gefängniswärter, der sich in sie verliebt hat. Doch dann beginnt der Krieg gegen den Irak und Ali muss an die Front. Marina findet sich in Zelle 7 im Trakt 246 wieder, wo sie ihre alte Freundin Sarah trifft. Gemeinsam verbringen sie die schweren Tage. Immer wieder wird Nemat gefoltert, vergewaltigt, man zwingt sie, zum Islam zu konvertieren, doch sie bleibt standhaft. Als Ali sie heiraten will, hat sie keine andere Wahl, sie muss. Nach zwei Jahren und zwei Monaten kann sie endlich das Evin-Gefängnis verlassen, doch ihre Familie fragt sie niemals, was ihr wiederfahren ist. Marina verdrängt. Erst zwanzig Jahre später, während glücklicher Zeiten in Toronto mit ihrer Familie, bricht alles wieder hervor und sie beginnt, sich die Vergangenheit von der Seele zu schreiben.
Marina Nemats Geschichte geht an die Substanz, schlimm sind die Geschichten, die sie über die Zeit im Evin-Gefängnis erzählt, was sie erlebt hat. Doch interessant hingegen sind auch die Schilderungen über das Leben im Iran vor und während der Revolution 1979.
Subjektiv und eindringlich, aber doch sehr nüchtern, berichtet Nemat von ihrer Zeit im berüchtigten Evin-Gefängnis, das gleichbedeutend ist mit Folter, Tod und verschwunden Menschen. Gelungen sind besonders die Zeitsprüge, die den Leser zwischen glücklicher Kindheit und furchtbaren Erlebnissen im Gefängnis 'zappen' lassen. Die Geschichte ist einfach geschrieben, hebt sich stilistisch aber schon von der üblichen 'Betroffenenliteratur' ab, das Erzählgen liegt wohl auch Marina Nemats Adern. Besonders schön sind die zahlreichen Fotos in der Mitte des Buches, die das Gelesene erlebbarer machen, Marina Nemat gewährt Einblick in ihr Leben, per Text und Bild, und ist somit keine Fremde mehr. Ein kleiner Glossar erläutert die wichtigsten fremden Begriffe. Solche Bücher sind wichtig, sie bieten Einblicke in für uns völlig fremde Welten und zeigen auf, dass der Kampf für die Menschenrechte der wohl wichtigste weltweit ist. Man kann sich nur verneigen vor solch mutigen Frauen wie Marina Nemat, dass sie die Kraft und den Mut hatten, ihre Geschichte in der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit anderen Menschen die Chance geben, solch einem Schicksal zu entgehen...