Dieser interessante Ratgeber von Dr. phil Günter Niklewski und Dr. phil Rose Riecke-Niklewski zum Thema Borderline teilt sich in fünf große Abschnitte auf:
Im ersten Kapitel wird erläutert, was eine Borderline Störung eigentlich ist. Um das Ganze plastischer darzustellen, wird dazu ein Kommentar einer typischen Borderline-Persönlichkeit zu ihrer momentanen Situation aufgeführt. Von Seite 22 bis 28 werden dann neun Symptome ausführlich beschrieben, die auf Borderliner zutreffen: Nicht allein sein können; intensive, aber instabile Beziehungen; Identitätsstörungen; starke Impulsivität; Suiziddrohungen und Selbstverletzungen; starke Stimmungsschwankungen; innere Leere und Langeweile; Reizbarkeit und Wutanfälle; Entfremdung und verzerrte Wahrnehmung. Hier kommen auch Borderliner zu Wort und erklären die o.a. Symptome in ihren eigenen Worten und Gefühlen.
Borderline geht einher mit selbstschädigendem Verhalten wie z.B. Suizidversuche und Selbstverletzungen. Fast die Hälfte aller Borderliner-Patienten hat im Verlaufe der Krankheit Probleme mit Süchten wie Drogen oder Alkohol. Auch Essstörungen (Esssucht, Magersucht) sind häufig Begleiter einer Borderline-Störung. Daher befassen sich mehrere Seiten dieses Buches mit diesen Problemen.
Das zweite Kapitel erforscht die Ursachen dieser Persönlichkeitsstörung. Noch ist nicht genau geklärt, wie diese Störung tatsächlich entsteht, aber man bekommt erste mögliche Ansätze zu ihrem Verständnis geliefert: Es kann sich hierbei um eine biologische Veranlagung handeln (über 50 % der Menschen mit einer Borderline-Störung zeigten im Kindes- und Jugendalter die Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hypermotorik = ADHS) oder um außergewöhnlich belastende Lebensereignisse (Traumatisierungen, wie Misshandlungen, Missbrauch, Trennungen der Eltern in den ersten Lebensjahren, aber auch chaotische Familienverhältnisse oder falsche Erziehungsstile mit Kontrolle oder Überbehütung), die bei den Personen entsprechende Verhaltensmuster entstehen lassen.
In dem sehr langen dritten Teil bezüglich Behandlungsmöglichkeiten geht es darum, die richtige Diagnose zu stellen und darauf aufbauend eine passende Therapie zu finden. Wegen der unterschiedlich ausgeprägten Störungsmerkmalen, gibt es kein Therapie-Patentrezept, das für jeden Patienten gleich wirkt. Psychotherapie ist auf jeden Fall die Hauptsäule der Behandlung. Hier werden unterschiedliche Ansätze vorgestellt. Auch auf die medikamentöse Behandlung wird eingegangen, weil gerade bei suizidalen Phasen und aggressiven Verhaltensweisen Medikamente helfen können. Sie können aber nur die Symptome lindern und nicht die Störung heilen und rechtfertigen auf keinen Fall einen Therapieabbruch.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Borderline-Störung bei Kindern und Jugendlichen. Wie äussert sich eine solche Störung, was können Eltern tun, was ist eine Kinderpsychotherapie, handelt es sich um ein normales pupertäres Chaos oder bereits um Borderline (was ist noch ein normaler Verlauf und was ist bereits als krisenhaft anzusehen - hier gibt es eine tabellarische Darstellung), was können wir als Eltern tun und wie konnte es zu der Störung kommen, wenn z.B. normale familiäre strukturen vorliegen.
Im letzten Kapitel wird die Frage behandelt, wie Borderline-Partnerschaften gelingen können. In solchen Partnerschaften gibt es einen ständigen Kampf zwischen Nähe und Distanz. Auf der einen Seite brauchen Borderliner extreme Nähe, um ihre eigene innere Leere auszugleichen (hieraus wird auch sehr schnell sexuelle Nähe), auf der anderen Seite können Borderliner diese Nähe nicht aushalten und weichen vor Kontakten zurück. Meist sind sie dann ohne Grund für einige Tage verschwunden oder treten alleine eine Reise an. Wenn der andere Partner dann den Borderliner bedrängt, so kann es zu Wutausbrüchen und impulsiven Handlungen, auch Selbstverletzungen, kommen. Auch wird der Partner von Borderlinern entweder idealisiert oder verteufelt. Wichtig für eine solche Partnerschaft ist es, Grenzen zu setzen. Möglicherweise auch eine endgültige Trennung, wobei beachtet werden muss, dass Borderliner hierauf auch u.a. mit Stalking reagieren können.
Eine positive Botschaft allerdings vermittelt dieses Buch: Ab 30 geht es vielen Betroffenen besser so dass man meist nach einer Phase großer Instabilität im jungen Erwachsenenalter, auf eine Besserung der Krankheit hoffen kann. Großen Einfluss hierauf haben feste Strukturen und Beziehungen, die Halt geben, wie ein erfüllender Beruf, Mutterschaft und die Ehe bzw. eine feste Partnerschaft.