Noch fünf Jahre bis zum Mauerfall. Mit immer dichterer, grausamerer Überwachung seiner Bürger sichert die Stasi ihre Macht. Eine graue Parallelwelt in der grauen, buntgetupften DDR-Welt.
Zwei Farbtupfer sind der smarte Theatermensch Georg Dreymann (Sebastian Koch) und seine schöne Lebensgefährtin, die Theaterschauspielerin Christa Sieland (Martina Gedeck), die für die Verhältnisse in der DDR ein recht unkonventionelles Künstlerleben führen. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ins Visier der Stasi geraten, egal wie sie sich nach außen zeigen. Als die Überwachung beginnt, hat das Leben der beiden ohnehin schon Risse. Dreymann leidet mit einem alten Freund wegen dessen Berufsverbots; die Schauspielerin benötigt Tabletten gegen die Traurigkeit, den Ekel, die Scham und die Wut. Sie geht bereits sehr weit, um die Arbeit ihres Mannes zu schützen. In einem totalitären Staat gibt es keinen realen Winkel, in dem man einfach für immer verschwinden kann. Es sei denn, man zieht den Tod in Betracht.
Hauptverantwortlich für die Überwachung des Paares ist der linientreue, bis ins Mark korrekte Stasihauptmann Gerd Wiesler
(Ulrich Mühe), der ein farbloses, nahezu steriles Leben führt.
Immer tiefer dringt er in die Privatsphäre der beiden ein und ist fasziniert von "dem Leben der Anderen". Mit der Zeit verliebt er sich nicht nur in die Schauspielerin, sondern auch in die Art der Lebensführung der Überwachten. Er entwickelt Gefühle, die ihn dazu bewegen, die Beobachter- und Lauscherrolle zu verlassen und dem bedrängten Paar zur helfen. Das hat seine Degradierung zur Folge. Fortan wird er im Keller über einem Dampfautomaten sitzen und Briefe öffnen, in denen andere herumschnüffeln werden.(Ich glaube an den Dampfautomaten. Seit ich 2004 die gruselige, schäbige Ausstellung über die Stasi in Berlin besucht habe, in der sogar Friedhofsgießkannen mit eingebauter Kamera gezeigt wurden, mit deren Hilfe an Feiertagen Einheimische und Westbesucher an den Gräbern gemeinsamer Toten ausspioniert wurden, halte ich diesbezüglich alles für möglich!) Wiesler wird nicht mehr auf die Beine kommen. Nach der Wende trägt er Werbeblättchen aus. Auf sehr korrekte Art und Weise. Die Schauspielerin wird den Mauerfall nicht mehr erleben. Der Dramaturg wird das ganze Ausmaß seiner Überwachung (mit der er nie gerechnet hatte!?) aus einem Berg von Akten erfahren. Er wird auch erfahren, wer der Mann war, der ihn vor der Verhaftung und Schlimmeren bewahrt hat. Das Ende des Filmes ist gemessen an der ernsten Thematik rührselig. Ein Happyend? Ich wünsche mir sehr, dass es wirklich solche Menschen bei der Stasi gab. Menschen, die nicht robotergleich ihre Befehle befolgten. Ist dieser Wunsch naiv? Gleichzeitig wirft der Film für mich drängend die Frage auf, wie ich wohl gelebt hätte, damals in der DDR. Wer wäre ich gewesen? Hätte ich zu den "Guten" gehört, zu den "Schlechten" oder zu dem Heer der "Wegseher", die immer wieder, egal in welchem Land, in welcher Situation, monströse Auswüchse überhaupt erst ermöglichen? Es geht in diesem Film nur vordergründig um die Stasi; grundsätzlich handelt er von der Verlorenheit des Individuums in totalitären Systemen.
Ein eindrückliches, gut recherchiertes und beklemmendes Drama. Nachdem ich den Film gesehen hatte, musste ich erst einmal tief durchatmen. Wie wohltuend ist es, in einer Demokratie zu leben, diesen Film selbstverständlich sehen zu können und danach über die hervorragenden Schauspieler, über die Moral des Filmes usw. bei einem Glas Bier mit Freunden diskutieren zu können, ohne argwöhnisch auf die Leute an den Nachbartischen blicken zu müssen. Dafür bin ich uneingeschränkt dankbar.