Aus der Amazon.de-Redaktion
Leaving On a Mayday entstand sowohl in NYC wie auch Stockholm - zwischendurch schrieb Ternheim noch die Musik zu dem Schauspiel Im Lichtermeer von Stefan Metz - unter wesentlicher Beteiligung bekannter Namen, wie dem Sonic Youth Drummer Steve Shelley oder Gitarristen Matt Sweeney. Schwerer aber wiegt wohl der Einfluss des Multiinstrumentalisten Björn Yttling von Peter, Bjorn and John, der Leaving On a Mayday als Produzent an die Pop-Schnittstellen von Mainstream und Alternative führt.
Yttling stellt Ternheims klare und imposante Stimme ins Zentrum, lässt ihr viel Raum für die erzählerischen und persönlichen Geschichten. Darum wird alles dosiert eingesetzt, sein es die Backing-Sängerinnen, die Gitarren oder die vielen Streicher. Umso wirkungsvoller und direkter klingt ein grandioses Up-Tempo-Stück wie „What I Have Done“ oder das geheimnisvolle „Terrified“, das imposante Stück „Let It Rain“ oder die sanfte Folk-Ballade „Summer Rain“, die brillante Pop-Nummer „Losing You“ oder das von Psychedelia touchierte Finale. Zehn charakterstarke Songs komponierten Ternheim und Yttling, die eine traumhaft sichere Balance zwischen Pop und nie überbordender Opulenz, zwischen Tempo und Besinnlichkeit finden. - Sven Niechziol
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Generell ist Anna Ternheim eine beeindruckende Vertreterin ihrer Zunft: Sowohl das 2004 veröffentlichte Debüt "Somebody Outside", als auch der Nachfolger "Seperation Road" zeigten, dass die schüchterne Schwedin eine gehörige Portion Talent besitzt. Doch leider führten die oftmals opulenten Instrumentierungen zur kompletten Überfrachtung der Songs. Dies sollte auf dem neuen, dritten Longplayer "Leaving On A Mayday" verhindert werden: Weniger ist mehr, lautete die Devise im Studio. Nur loslassen konnte die Songwritern nicht und versammelte dort ganze 15 Musiker um sich, die alle ihre Spuren hinterlassen wollten. So gibt es Chöre, Pianos, Streicher und sogar mehrere Keyboards. Das ist zuweilen ärgerlich, denn wer Anna Ternheim zu Beginn ihrer Karriere Live erleben durfte, sah nur sie, ihre Akustikklampfe und die wundervolle Darbietung der Songs. Eben ohne das große Tamtam, dass sie auf dem Album vom Stapel lässt.
Freilich passt die Musik in ihrer Opulenz zu den großen Gefühlsausbrüchen, zu all dem Gram und der unumstößlichen Zuversicht, die auf "Leaving On A Mayday" zu finden sind. Doch wirkt das Ganze, als wolle hier jemand alles auf einmal und das am besten sofort: Die minimalsten Stücke seit Leonards Cohens "Songs"-Reihe fabrizieren und nebenbei dem klassischen Wall Of Sound eines Phil Spectors imponieren.
Immerhin, Songwriter gelten als Ewigsuchende. Da ist Anna Ternheim keine Ausnahme und wer ihre Musik in diesem Kontext verstehen möchte, kann durchaus Gefallen an ihren Alben finden. Trotzdem: Wenn es Live besser als auf Platte klingt, stimmt irgendwas, irgendwie nicht.