...Grenzen, die wir nicht überschreiten." Das ist die Philosophie von Professor Bill Kincaid(Edward Norton), seines Zeichens Dozent am Altphilologischen Institut, hochintelligent, trocken, und doch so anziehend, dass alle Studentinnen scharf auf ihn sind. Aber Bills Spruch zieht schon bei einer Verehrerin nicht, die sich in seinem Büro entkleidet, wie soll er da bei Bills Familie seine Gültigkeit beweisen? Diese Familie hat es nämlich in sich. Da ist zum einen der eineiige Zwillingsbruder Brady, der sich selbst als fortschrittlichsten Marihuanaanbauer und Dealer in Oklahoma sieht, und zum zweiten Daisy(Susan Sarandon), die Mutter der Zwillinge. Sie sitzt aus freien Stücken im Heim und trauert dem Familienleben nach.
Bill weiß nur eines: Weder mit Daisy noch mit Brady will er je wieder zu tun haben. Doch die Zeiten ändern sich. Als Bill einen Anruf von Bradys Kumpel Bolger(Tim Blake Nelson) erhält, der ihm eröffnet, dass Brady mit einer Armbrust erschossen wurde, fährt er in die alte Heimat zurück. Dort wird er vom totgesagten Brady quietschlebendig empfangen. Der wusste genau, dass Bill sonst niemals zurück gekehrt wäre. Und gerade jetzt braucht Brady seinen Zwilling, denn: Brady schuldet dem Großdealer Pug(Richard Dreyfuss) eine Menge Kohle. Brady hat einen Plan, wie er sich dieser unangenehmen Schulden entledigen kann, aber dazu braucht er einen Doppelgänger. So nimmt das Unheil seinen Lauf. Wäre da nicht die liebenswerte Janet(Keri Russel) und das zweifelhafte Gefühl, irgendwie doch in Oklahoma zu Hause zu sein...Bill wäre sofort wieder abgehauen. Es wäre besser für ihn gewesen, denn urplötzlich schlagen die Ereignisse wie eine Flutwelle über ihm zusammen...
Tim Blake Nelson, selbst gnadenlos gut in der Rolle des komplett schrägen Bolger am Start, hat mit -Leaves of Grass- eine kultverdächtige etwas andere Südstaatenstory an den Start gebracht. Angelehnt an Walt Whitmans Gedichtband "Leaves of Grass" packt Nelson eine krude, Purzelbaum schlagende Geschichte mit kuriosen Charakteren und hervorragenden Schauspielern in eine Filmrolle hinein. Die Story entwickelt sich langsam, hat von Slapstick über nachdenkliche Szenen bis hin zu philosophisch verqueren Dialogen alles an Bord was einen Kultfilm ausmachen sollte. Dabei steigert sich der Plot zusehends, um am Ende geradezu zu explodieren. Ob -Leaves of Grass- diesen Kultstatus allerdings erreicht, das werden allein die Zuschauer; also Sie, entscheiden.
Edward Norton ist in der Doppelrolle Brady/Bill eine Augen- und Ohrenweide. Er hat die absolut gegensätzlichen Charaktere komplett auf Tasche. Tim Blake Nelson ist als Bolger "die" schräge Figur des Films. Susan Sarandon und Richard Dreyfuss besetzen die Nebenrollen mit großer Klasse.
Mir persönlich hat -Leaves of Grass- hervorragend gefallen. Ich bin mir allerdings sicher, dass man für Blake Nelsons Film auch ein bisschen "gemacht" sein muss. Wenn sie zum Beispiel ein Fan der Coen-Brothers sein sollten, dürfte der Einstieg in -Leaves of Grass- nicht schwer fallen. Deshalb rate ich ihnen: Probieren sie es einfach aus. Kommen sie mit nach Little Dixie, der Heimat der Familie Kincaid. Schauen sie sich einfach mal an, was dort so "läuft". Bill Kincaid hätte eigentlich wissen müssen, was ihn da erwartet. Aber manchmal macht man halt Fehler...