Obwohl Charley erst fünfzehn ist, überrumpelt ihn das Leben auf höchst unschöne Weise. Noch während sein Vater lebt, ist er größtenteils auf sich gestellt, der Vater kümmert sich nicht all zu viel, lässt den Jungen bisweilen tagelang ohne Essen allein, treibt sich mit Frauen herum und bringt sie mit nach Hause. Viel Liebe hat er für seinen Sohn nicht übrig. Und doch ist es herzzerreißend, wie Charley reagiert und wie er sich fühlt, nachdem sein Vater gestorben ist. Und das Leben wird noch rauer für den Jungen, er verlässt das Haus, versteckt sich vor der Polizei und findet Arbeit, indem er sich älter schwindelt. Er ist angewiesen auf die Barmherzigkeit der Mitmenschen, die ihn zu oft im Stich lassen, er ist der Armut und der Gewalt ausgeliefert, die ihn immer wieder unvermittelt trifft. Als Lean on Pete verkauft werden soll, haut er mit ihm ab und macht sich auf eine abenteuerliche Reise. Er hat kaum Geld, er hat ein geklautes Auto und ein geklautes Pferd, das er innigst liebt. Und es läuft gar nicht gut für ihn. Doch Charley bleibt bei all dem eine liebenswerte Figur, die man in den Arm nehmen will, beschützen will.
Willy Vlautin schreibt auf einfache Weise und doch überaus bewegend, er schafft dem Leser allein durch die Beschreibung von Charleys Handeln Zugang zu seinen Gefühlen, seinen Träumen, Sorgen und Nöten, ohne das Innerste preis zu geben.
Lean on Pete ist kein leichtes Buch, es ist traurig und dunkel, es ist mitreißend und voller Gefühl. Es ist hoffnungsvoll und schön, zum Niederknien schön.
Lean on Pete ist mein erstes Buch von Willy Vlautin, aber bestimmt nicht das letzte.