Spieler dieses prinzipiell kostenlosen 'Action-Strategiespiels', wie es vom Entwickler selbst bezeichnet wird, werden sich diese Frage im Laufe ihrer LoL-Karriere immer mal wieder stellen. Und obwohl die LoL-Community zu einem wirklich großen Teil schlimm ist und immer mal wieder kleinere Balancing-Probleme das Spiel plagen, nehme ich mir mal die Freiheit und behaupte: Ja, es geht noch.
LoL war für mich eins der ersten kostenlosen 'größeren' Titel, die ich probiert habe. Von Freunden angeregt, die es schon eine Weile spielten, habe ich es im Juli 2011 heruntergeladen und direkt mal getestet. Bis ich wenigstens die Basics inne hatte und nicht mehr von absolut jedem als Feeder (Spieler, der dem gegnerischen Team unabsichtlich, teils aber auch absichtlich zu viele Kills 'schenkt') bezeichnet wurde, vergingen viele Wochen, in denen ich mich eigentlich kaum dazu motiveren konnte, weiterzumachen. Doch die Kumpels sagten mir nur, ich solle es bis Lvl 20 durchziehen, dann kommen die Runen, dann wird das Leben schöner.
Gesagt, getan, ich quälte mich durch, wurde mit manchen Charakteren besser, war aber noch weit davon entfernt, einen Großteil der Mechaniken und des Fachjargons zu kennen und vor allem zu wissen, wie alle anderen Charaktere funktionieren. Zwar kann man in Spielen mit Computergegnern (die je nach Schwierigkeitsgrad teilweise fast intelligenter sind als echte Mitspieler) Erfahrungen sammeln, doch im Endeffekt sieht es in Spielen mit echten Gegnern immer ganz anders aus und man muss sich einfach die Sporen verdienen, auch wenn man dabei so manch eine herbe Niederlage einstecken wird.
Irgendwann war ich dann endlich mal Lvl 20 und später auch 30 und inzwischen habe ich mit rund 1100 gespielten und davon etwa 600 gewonnenen Runden sowie 62 von 90 Charakteren einen gewissen Vorsprung gegenüber vielen meiner rund 40 Ingame-Freunde (die ich allesamt persönlich kenne), habe aber auch unzählige Stunden und einige Dutzend Euro investiert.
Als Schüler habe ich die Zeit dafür, ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass die steile Lernkurve bei berufstätigen Erwachsenen wegen eventuellem Zeitmangel noch schlechter ankommen könnte.
Dazu kommt, dass man ziemlich genau wissen muss, wie man einen Charakter spielt und was man in welcher Situation wie macht, außerdem darf man nicht wirklich aus einem Match einfach mal herausgehen (weil das dem gegnerischen Team in 95% aller Fälle einen leichten Sieg garantiert): das alles ist sehr aufmerksamkeitsintensiv und könnte einige Interessierte abschrecken.
Auch einen gewissen Masochismus muss man sich beim Spielen aneignen: Man weiß schon, dass man mit 60%iger Wahrscheinlichkeit ein schlechtes Team haben wird; jemand leaven wird; jemand sich beschweren wird, weil man den Tod eines Gegners gesichert hat und das für den Mitspieler wie ein Killsteal aussah; jemand durchgehend feeden und einen noch beleidigen wird, wenn man ihn drauf anspricht; und so weiter. Es kommt vor, dass man ein wirklich gutes Team bekommt, aber eher in den sogenannten Rankeds (für immer bzw. eine sehr lange Zeitspanne im eigenen Profil festgehaltene Ranglisten-Spiele), da sich dort die meisten Leute etwas mehr anstrengen.
LoL bietet mir persönlich dieselbe Motivation wie die meisten Online-Titel die ich davor durchgemacht habe (etwa BFBC2 und CoD 4+6), und zwar das Auffinden von neuen Taktiken und neuen Lücken in den Charaktern, das Testen neuer Charakter oder auch einfach nur das herumalbern mit Freunden.
Man kann LoL definitiv schmerzfrei spielen, ohne Geld auszugeben, es dauert dann allerdings unendlich lange, bis man wirklich alles gekauft hat. Nach einer kurzen Hochrechnung kosten alle Champions zusammen im Moment (Stand Anfang Januar 2012) 320700 Einflusspunkte, mal abgesehen von anderen kaufbaren praktischen Sachen wie Runen und Runenseiten. Wenn man pro Spiel im Durchschnitt 120 Einflusspunkte (die Ingame-Währung von LoL) bekommt, braucht man rund 2672 Spiele (welche jeweils rund 45 Minuten dauern, womit wir bei einer Gesamtzeit von 83 kompletten Tagen sind) allein um alle Champions zu erwerben. In diese Rechnung fließt natürlich weder der Tagesboost ein, der den Wert eines Sieges pro Tag mehr als verdoppelt, noch die diversen Einflusspunkte, die man durch z.B. die Teilnahme am Tribunal (das 'Gerichtssystem' in LoL, in dem über das Schicksal von gemeldeten Spielern entschieden wird) bekommen kann.
Mein persönlicher Tipp ist dabei, sich einige Champions auszusuchen, die man gerne spielt und gut beherrscht und erst dann teurere Champions zu erwerben, wenn sie stark reduziert sind. So spart man auf Dauer Geld und kommt trotzdem schon bald zu einer großen Auswahl.
Nun klingt das meist vom bereits gesagten zwar eher negativ, doch LoL ist um Gottes Willen kein schlechtes Spiel. Kostenlose Updates auf einer regulären Basis, neue Champions, konstante Reduzierungen von älteren Champions, Angebote für billigere Echtgeld-Einkäufe, und ein relativ (!) zuverlässiger Support, das alles sollte eigentlich zusammen ein fast perfektes Spiel ergeben, doch leider macht die Community dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Wenn man es einrichten kann, sollte man immer versuchen, mit sogenannten Premades zu spielen, also Leuten, die man kennt und mit welchen man meistens über ein Voice-Chat-Programm wie TeamSpeak, Skype, etc. Absprache halten kann. Diese sollten annähernd eurem Level entsprechen, dann machen auch die allermeisten Runden richtig Spaß.
Abschließend kann ich für das Spiel eine absolute Empfehlung aussprechen, falls man Freunde/Kollegen hat, mit denen man es relativ oft zusammen spielen kann. Findet man niemanden zum Mitspielen, kann das Spielprinzip einen nach einer Weile langweilen und die Community extrem nerven. Da LoL aber sowieso kostenlos spielbar ist, würde ich jedem Interessierten empfehlen, es einfach mal herunterzuladen und auszuprobieren und dann selbst zu urteilen.