Ganze 17 Jahre wurde der Stummfilmklassiker "Le voyage dans la lune" restauriert und Air hatten die Ehre diesen Klassiker von 1902 zu vertonen. Diese Musik bildet nun die Grundlage für dieses Album der beiden Soundtüftler von Air. Gemessen an den bisherigen Werken klingen die Titel auf "Le voyage dans la lune" recht gewaltig und monströs, Jean-Benoit Dunckel und Nicolas Godin arbeiten mit offensiven Instrumenten (Schlagzeug, Pauken und Klavier stehen häufig stark im Vordergrund) und der verträumte Syntheziser-Sound rückt oft in den Hintergrund.
Und so erklingt beim Opener "Astronomic club" gleich einmal ein heftiger Pauken- und Schlagzeugsound, schräge Gitarren- und Synthieklänge lassen den Song herrlich entrückt erscheinen.
"Seven stars" wirkt wie der Aufmarsch einer gigantischen Armee, Trommelwirbel treiben den Sound stetig voran. Die Klavier- und Gesangsmelodie wirken im Gegensatz dazu seltsam ruhig. Im 2. Teil treiben E-Gitarren die Spannung bis zum grandiosen Finale.
"Retoure su terre" ist eine kurze beruhingende Klaviereinleitung zu "Parade", das dann wieder mit stampfendem Schlagzeugsound auf den Hörer niederprasselt. Coole Gitarren und Synthieklänge und ordentlich Schwung zeichnen den Song aus.
"Moon fever" besteht lediglich aus einem federleichtem, sphärischem Synthieelement und einem monotonem Klaviergrundsound. Wunderschön und verträumt.
Mit "Sonic armada" wird man unsanft aus dem schönem Traum gerissen. Schon das anfängliche Soundelement dringt recht schräg in die Ohren. Schlagzeug, Gitarren und besagtes Synthie-Element liefern sich ein spannendes Wettrennen. Relativ monotoner, aber doch irgendwie spannender Song.
"Who am I now" besticht durch wunderschöne ruhige Musik und Klänge die irgendwo jenseits von hier schweben. Dazu die zerbrechliche Stimme von Au Revoir Simone. Bemerkenswert auch die Spannung und Dramaturgie des Titels, mein Highlight des Albums.
Kurz, laut und heftig ist "Decollage". Pauke, Schlagzeug, Klavier - kaum richtig in Fahrt schon vorbei. Oder doch nur Einleitung zu "Cosmic trip". Der Titel ist die perfekte Fiktion, wenn eine Reise durchs All zum Mond musikalisch begleitet werden soll, dann so. Spektakulär das Finale (die Landung). Einfach geil.
"Homme lune" und "Lava" lassen den Hörer am Ende nochmals in eine Traumwelt eintauchen, doch Vorsicht: Der Traum wird von bösen Gitarrenklängen durchzogen, die aber immer schwächer werden und das schöne Gesamterlebnis nicht wirklich stören können.
Auch wenn's hier musikalisch heftiger zur Sache geht, als man das von Air erwartet, so fühlt man sich am Ende doch wieder aus einem schönen Traum entrissen. Und so hat das Kunstwerk Air wieder einmal perfekt funktioniert. Die Kürze des Albums tut seiner Qualität keinen Abbruch, die Titel bestechen durch ihre Direktheit und haben den Schnickschnack drumherum nicht nötig. Und wie seinerzeit der Film, so bietet die Musik auf "Le voyage dans la lune" die perfekte Science-Fiction.
Wunderschön anzusehen ist auch das Artwork der CD. Die Bilder eine verträumte Mondlandschaft mit reichlich Raum für Interpretationen, passend zum Gesamtkonzept. Wohl wieder ein musikalisches Nischenprodukt, doch die kleinen und feinen Ecken eines Hauses sind oft viel schöner als die großen Hauptsäle.