Große Romane lassen uns begreifen, dass die Welt nicht aus einem Moment besteht, dass ein Leben vieler anderer bedarf, um davon zu erzählen. Fasst man Le Sacre du printemps zusammen, muss man nicht nur viele Städte aufzählen, man springt auch von Kontinent zu Kontinent, um die Fäden zusammenzuhalten. Vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs lernen sich eine russische Tänzerin und ein kubanischer Architekt kennen, lassen in ihren Geschichten ihre bewegte Vergangenheit zur Zeit der Oktoberrevolution wie das Leben der kubanischen oberen Zehntausend aufleben und zeichnen dabei zwei Gesichter einer Welt, die widersprüchlicher nicht sein kann. Im Verlauf des Romans läßt Carpentier die Tänzerin und den Architekten zusammenwachsen, führt sie nach dem Zusammenbruch der spanischen Republik ins Exil nach Kuba, wirft sie in die Spannungen einer untergehenden Gesellschaft, deren revolutionäre Utopie den Weg in die Zukunft weisen will. Carpentier war wie Marquez ein Vertreter des Magischen Realismus. Es verwundert deswegen nicht, dass die Kunst, der Entwurf eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen. Nicht zuletzt Strawinsky und mit ihm die klassische Musik. Der Blick auf die Welt wird verfremdet, erscheint schärfer zu sein, die Zerrissenheit, das Aufbegehren immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Ein allem ein sprachlich gewaltiger Roman.