Ob sie wissen, was ihr deutscher Bandname wirklich bedeutet? Ob sie ahnen, dass er dem Wesen ihrer Musik so sehr widerspricht, dass man die wahre Bedeutung dem internationalen Publikum gerne vorenthält?
Was soll's, was ist schon ein irrtümlich gehauchtes Wort in einem Sturm?
Zur Sache: Da kommen vier Frauen namens Katzenjammer mit ein paar Millionen Instrumenten auf die Bühne und machen damit einfach, was sie wollen. Sie singen Geschichten, hüpfen von Ukulele zu Bass Balalaika zu Trompete zu Banjo und zwinkern dabei unaufhörlich dem Publikum zu, als ob sie einen eigenen Muskel dafür hätten.
Sie nehmen Dich mit auf ihre Abenteuerreisen. Du fühlst Dich als kostümiertes Äffchen auf der Schulter des Piratenkapitäns, während Dir der zimtene Duft eines Tässchens Tees in die Nase steigt. Du genießt Deine Melancholie und entwickelst daraus ein Geschäftsmodell, Eintrittskarten für Beerdigungen zu verkaufen. Du tust alles, um nicht unterzugehen und reservierst dazu den Nacken des Teufel als Logenplatz.
Hier vor der Bühne werden Perlenkettenträgerinnen zu Pogo-Göttinnen und Männer schämen sich nicht der Tränen, die sie sonst nur bei der Meisterschaft ihres Fußballvereins weinen würden. Mundwinkel sind prall gefüllt mit einem Grinsen, das von sehr sehr weit unten empor kriecht, und Du spinnst den Gedanken, diese Musik als homöopathisches Medikament anzubieten.
Es gibt bisher keine durch Ausgrabungen gestützte Belege dafür, wie es zu dieser Musik kommen konnte. Die wahrscheinlichste Theorie ist diese: auf einer Balkanreise hören die vier Heldinnen die Fanfare Ciocarlia und Marko Markovic und begegnen auf einem Jahrmarkt dem guten alten Django Reinhardt, der gerade die Andrews Sisters am Straßenrand aufgelesen hat. Diese nehmen sie in ihrem privaten Piratenschiff mit in den Cotton Club, wo man ihnen Tom Waits vorstellt, der sich trickreich als Goldfrapp verkleidet hat. Zur Aufklärung des Sachverhalts bringt er sie zu einem Gospelchor unter der Leitung von Phil Collins, der gerade ein neues Programm mit norwegischer Volksmusik einstudiert.
Sind Sie jetzt schlauer? Nein? Gut so! Katzenjammer ist nichts für die praktische Ablage in Genre-Schubladen, kein Style, bei dem die Musik selbst zur Nebensache wird. Katzenjammer nimmt die Musik sehr ernst, aber sich selbst nur so weit, wie es ihnen, ihrer Musik und der sagenhaften Performance gut tut, die jeder Zuhörerseele die problemverklebten Haare aus dem Alltagsgesicht bläst.
Liebe Marianne, Turid, Solveig und Anne Marit: Katzenjammer ist eine kleine Lüge. Denn das Letzte, was Eure Musik bewirkt, ist ein solcher. Aber manche Lügen möchte man einfach jeden Tag immer und immer wieder aufs Neue hören.
It's so beautiful. And it is real!