Wax On Records, die noch ofenfrische Plattenfirma von Nightmares On Wax-Mastermind George Evelyn (aka DJ E.A.S.E.), ist stolz darauf, den ersten Longplayer in der noch jungen Labelgeschichte präsentieren zu können. Und was für einen...
Aber, wie bei jeder guten Story: fangen wir mal ganz vorne an. Meine Mutter ist schuld an meiner Musiksucht. Immer, wenn ich brav war, bekam ich eine Vinylplatte zum Anhören erzählt Guts nicht ohne Augenzwinkern psychologische Finte und inspirative Grosstat zugleich, möchte man meinen. So erzieht man nämlich ein kleines Genie...
Wer sein Debüt-Album (und somit irgendwie auch sich selbst) Der Glückliche nennt und obendrein dann gleich so ein Sahnestückchen abliefert, kann eigentlich nur entweder grundsätzlich total beseelt oder ein waschechter Franzose sein. Guts aber vereint beide Attribute mit einem satten Lächeln. Und wir alle sollten Guts Mutti herzlich danken.
Der umtriebige Producer, Beat-Wissenschaftler und DJ mit Hauptwohnsitz in Paris ist allerdings alles andere als ein Newcomer... und dürfte Insidern schon seit den frühen Neunzigern als Grosshirn der imageträchtigen French-HipHop-Combo Aliance Ethnik ein Begriff sein. Oder als zielsicherer Producer namhafter urbaner Landsleute wie Passi und Les Sages Poetes De La Rue.
Zahlreiche Aufenthalte in HipHop-Hometown New York City brachten Guts dann Mitte der Neunziger in Kontakt mit den dort ansässigen Studio-Dons der Szene, allen voran Bob Power (A Tribe Called Quest, The Roots). Von ihm lernt Guts die kredibile Verfeinerung seiner chronischen Beatschrauberei. Und frickelt in Folge für u.a. De la Soul, Common und Biz Markie. Dann war da noch der prägende Job in den senegalesischen Studios von Youssou N Dour sowie die Vor-Ort-Zusammenarbeit mit jamaikanischen Reggae-Grössen wie Anthony B., Michael Rose oder Sacha. Kein Zweifel: Guts weiss ganz genau, was er da tut... und vor allen Dingen, wie er es tun muss.
In der Labor-Küche dieses Chefs de la audio cuisine also steht statt der üblichen Herdplatten eine MPC 4000-Produktionsmaschine samt der obligatorischen Turntables. Auf denen sich nach wie vor u.a. sehr oft arg verkratzte Scheiben seiner frühpubertären Superhelden drehen: Public Enemy, KRS One und Pete Rock.
Zu diesen Oldschool-HipHop-Einflüssen mengt Guts gleich mehrere Prisen seines unnachahmliches Easy Listening-Gewürzes sowie eine grosse Dose ungewaschenen Pop im besten Sinne. Ein bauchiges Fläschchen Lässigkeit (Marke Südseite Sonnenhang) dazu - et voilá: so mundet die musikgewordene Lebensgeschichte eines vom Glück Beseelten. Le Bienheureux meint nämlich genau das...
Es ist also angerichtet, liebe Festgesellschaft. Nach der welterobernd zuckersüssen Vorspeise, namentlich der mittlerweile sagenumwobenen Maxi-Auskopplung And The Living is Easy (mit grandiosen Remixes von DJ Sayem und den enorm kultigen Dynamics) jetzt also der kalorienträchtige Hauptgang, zubereitet von einem der glücklichsten Franzosen überhaupt. Bei dem wir ganz klischeemässig Bon Appetit wünschen... und schon vorher garantieren können, dass Sie sicherlich sofort Nachschlag wollen.