Eigentlich kennt man Travis McCoy nur als Frontmann der Gym Class Heroes, nun ist er auch solo unterwegs und hat sich dafür von Band und einem "s" im Namen getrennt, um auf T-Pain's Label Nappy Boy zu beweisen, dass er es auch alleine auf dem Kasten hat. "Lazarus" heißt das erste Werk des in Miami lebenden New Yorkers, was sowohl sein zweiter Vorname ist, als auch auf eine biblische Geschichte der Wiedergeburt hinweisen soll, denn nachdem er sein Album zunächst düster gestalten wollte, warf Travie noch einmal alles über den Haufen und erschuf eine Platte, die für gute Laune sorgen soll. Ob dies gelingt und ob Travie auch ohne die Heroes gute Musik zustande bringt, testen wir jetzt.
Das mit 10 Songs recht kurze "Lazarus" startet zu Beginn gleich mit einem echten Kracher. "Dr. Feel Good", das man vielleicht schon aus dem Radio kennt, setzt seinen Titel perfekt um, denn beim Hören fühlt man sich gleich locker und beschwingt, was seinem fröhlichen Sound und den sommerlichen Klängen zu verdanken ist, als Höhepunkt rundet Altmeister Cee-Lo Green Travie's Raps mit seiner einzigartigen Stimme in einem fetzigen Refrain ab. Ähnlich wie mit den Gym Class Heroes hat Travie auch alleine eine Schwäche für Indie Rock, was man mit "Superbad (11:34)" zu hören bekommt. Emotionale Gitarrenriffs, die zwar rocken, aber nicht zu aggressiv sind, sorgen für einen komplett anderen Sound, auch Mr. McCoy singt dieses Mal die Strophen, was jedoch auch wunderbar gelingt. Die Single "Billionaire" war einer der Hits des Sommers, daher ist es etwas schade, dass das Album bei uns erst im Herbst erscheint, dafür kann uns der Track mit seinem karibischen Flair noch ein bisschen die letzten sonnigen Tage versüßen. Ein chilliger Reggae-Rhythmus ist hier der Garant für Urlaubsstimmung und wieder einmal schaffte es Travie, genau die richtige Unterstützung für den Hook zu finden. Dieser stammt hier von Newcomer Bruno Mars, den man als Highlight des Liedes ansehen kann. Gefühlvoller geht es mit "Need You" weiter, einem von peppigen Gitarren und flottem Tempo geprägten Lovesong, der das Gute-Laune-Feeling weiter transportiert.
Nach dem ruhigeren, aber auch sehr schönen "Critical" (feat. Tim William), erreichen wir mit "Akidagain" eine Nummer, die der ein oder andere vielleicht etwas kitschig findet. Das kommt daher, dass der Refrain von einem Kinderchor eingesungen wurde, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Wer sich jedoch damit anfreunden kann, darf sich auf einen smoothen Track gefasst machen, der noch einmal als kleine Verschnaufpause dient, bevor es mit "We'll Be Alright" wieder schneller zur Sache geht. Erneut sind es Gitarren, die den Großteil des freshen Klangs ausmachen, der Rhythmus fordert dazu zur Bewegung auf. Travie kombiniert dazu Rap und Gesang und erfüllt genau das, was der Sinn dieser Platte ist. Sein neuer Chef T-Pain lässt sich nebst Schützling Young Cash auf "The Manual" hören. Wer hier einen Club Track im üblichen T-Pain Style erwartet, muss enttäuscht werden. Tatsächlich handelt es sich bei "The Manual" um einen unaufgeregten, entspannten, leider auch recht unspektakulären Titel, der eher vor sich hin plätschert, anstatt richtig zu fesseln. Umso besser gelang da das fetzige "After Midnight", das noch einmal für richtig Party-Stimmung sorgt, bevor "Lazarus" mit den seichten Tönen von "Don't Pretend" (feat. Colin Munroe) nach etwas mehr als 35 Minuten ausklingt.
In der Kürze liegt die Würze. So kann man Travie McCoy's erstes Album schnell und einfach beschreiben. Man hätte vielleicht erwarten können, dass er sich vom Sound der Gym Class Heroes etwas entfernt, denn ein großer Unterschied ist nicht festzustellen, auf der anderen Seite kann man froh sein, dass er dem frischen Mix aus Rap, Rock und etwas Pop treu geblieben ist und keinen aktuellen Trends hinterher rennt wie so viele andere. Wem die Single "Billionaire" gefallen hat bzw. wer generell ein Fan der Gym Class Heroes ist, kann bei "Lazarus" bedenkenlos zugreifen - gute Laune garantiert!