Zum 40. Jahrestag gibt es "Layla and other assorted Love Songs" endlich als Deluxe Edition. CD 2 enthält genau die essenziellen Songs, die die Ausgabe zu einem Rundum-Glücklich-Paket machen: neben dem unverzichtbaren Mean old World, einem Outtake mit Duane Allman an der zweiten akustischen Slidegitarre, der schon seit Anfang der Siebziger immer wieder auf Duane Allman- und Clapton-Samplern auftaucht, gibt es auch hier wieder einige Songs, die wir schon von Claptons "Crossroads"-Box (1988) kennen:
Tell the Truth war 1970 die A-Seite einer nur kurzzeitig erhältlichen Dominos-Single, und beim Hören wird auch klar, warum die Band die Single bald wieder zurückzog: der Song wird in einer derartigen Hochgeschwindigkeitsversion eingespielt, dass die Dominos zu Recht fanden, der Song gebe noch nicht ihren wahren Sound wieder (er tauchte Anfang der Siebziger auf dem raren Sampler "History of Eric Clapton" auf). Die B-Seite, Roll it over (mit George Harrison und Dave Mason an weiteren Gitarren), war schon besser, der Song kam für lange Zeit nur auf Claptons Live-Alben "In Concert" und "Rainbow Concert" zu Ehren. Beide Songs entstanden bereits während Sessions für Harrisons "All Things must pass", sie erscheinen hier wieder in ihrem '87er Remix von "Crossroads".
Im Zuge ihrer Amerika-Tournee traten die Dominos kurz nach den Aufnahmen für das später erschienene "In Concert"-Album am 5.11.'70 als Gäste in Johnny Cashs Fernsehshow auf, und entsprechend gut eingespielt präsentierten sie It's too late, Got to get better in a little While, Matchbox (mit Carl Perkins) und Blues Power. Ich hatte vom Auftritt der Dominos schon im Zusammenhang mit Johnny Cashs DVDs von diesen Fernsehshows gelesen, ihn aber noch nicht gesehen, und hier erscheinen die Audioversionen zum ersten Mal offiziell. Die Klanqualität dieser Monoaufnahmen ist für einen Fernsehmitschnitt von 1970 erstaunlich gut; etwas kurios ist, dass einzig Bobby Whitlocks Harmoniegesang und Carl Perkins' Gitarre links im Stereospektrum auftauchen.
Im Frühjahr 1971 gingen die Dominos ein letztes Mal für ein neues Album ins Studio, wo sie sich dann derart zerstritten, dass sie nie wieder miteinander musizierten, auch wenn Clapton noch auf den nächsten zwei Alben von Bobby Whitlock zu hören war und Carl Radle von '74 bis '78 sein permanenter Bassist blieb. Fünf der Songs, die dabei entstanden, gab's bereits auf "Crossroads" zu hören; sie wurden für diese Deluxe Edition von Andy Johns neu abgemischt, und für die beiden Versionen von Got to get better in a little While spielte Bobby Whitlock - fast 40 Jahre später - die fehlenden Keyboard- und Gesangsoverdubs ein. Schade, dass Whitlock keine weiteren Alben mit Clapton aufnahm und man von ihm seit Mitte der Siebziger so wenig gehört hat (seine frühen Alben sind lange vergriffen), die beiden haben klasse zusammen gesungen.
Leider wurde, anders als bei den meisten anderen Deluxe-Edition-Ausgaben, auf jeden Begleittext im Booklet verzichtet; die Qualität der Aufnahmen rechtfertigt in diesem Falle aber keinen Punketabzug. Wer mehr möchte, sollte sich nach der limitierten Super-Deluxe-Ausgabe mit Doppel-LP, vier CDs plus DVD umschauen. Schöne Einblicke geben auch die beiden Bonus-CDs der Sonderausgabe zum 20jährigen Jubiläum von 1990.
Der Sound des Albums ist erwartungsgemäß deutlich stärker komprimiert als die '96er Vorgänger-Ausgabe; hier wäre weniger mehr gewesen, das Ohr kommt leider kaum noch zum "Atmen".
Über dieses Album ist in den letzten 40 Jahren schon sehr viel geschrieben worden, ich rezensiere es irgendwann mal gesondert, vorab nur soviel: ich wünschte, Eric Clapton hätte seine Alben "Me and Mr. Johnson" und "Sessions for Robert J." in dieser Inkarnation als Derek and the Dominos eingespielt und nicht erst 2004 als gestandener und abgeklärter Rockstar - er war nie wieder näher am dafür erforderlichen Feuer und der nötigen Seelenpein dran als auf "Layla".