Jetzt wage ich mich nach unzählichen Durchläufen dann doch an die Rezension zu diesem Werk tiefschwarzer Tonkunst.
Wagen, da es unglaublich schwer ist, diese Platte angemessen zu besprechen. Zuviel passiert auf diesem Album. Es will Emotionen frei setzen, berühren und das ist eben schwer, analytisch in Worte zu fassen.
Wer die Band bisher nicht groß kennt: Watain kommen aus Schweden und spielen ortodoxen Black Metal der kompromisslosen Schule ohne Keyboards.
Wenn man mit den Vorgänger-Alben dieser Band vertraut ist, fällt gleich beim 1. Stück die Gewalt und Hektik auf, die einen förmlich überfällt. Kein langsamer Aufbau, keine dynamische Songentwicklung, sondern gleich auf die 12, aber in einer Art und Weise, die auch mich als Fan erstmal denken lies: "Was ist das? Wo ist die Struktur?"
Nach kurzer Zeit hat man sich an das - vermeitliche - Chaos gewöhnt, strukturierte Riffs übernehmen den Ablauf und ein roter Faden spannt sich durch das Stück. "Deaths Cold Dark" entwicklt sich somit sehr spannend und fordernd.
"Malfeitor", "Reaping Death" schlagen dann eher in die klassische Black Metal Kerbe, aber auf spielerisch extrem hohem Niveau, wovon sich andere Bands eine Scheibe abschneiden könnten. Nichts gegen Monotonie (die gehört nunmal zum Stilmittel vieler BM-Bands), aber die Tempi-Wechsel (songdienliche Drum-Rolls und Fill-Ins müssen auch im Black Metal offenbar kein Fremdwort sein), Riff-Variationen (eins hymnischer als das andere, um dann wieder gradlinig auf die 12 zu gehen) und das abwechslungsreiche infernalische Gekreische, was aber nie nervt und größtenteils verständlich bleibt (eher Mortuus von Marduk, als Varg von Burzum), machen dieses Album spannend, wenn auch extrem fordernd.
Den Höhepunkt des Albums bildet dann der Rausschmeisser "Waters of Ain" mit seinen fast 15 Min. Auch hier dominiert handwerklich perfekter Black Metal ohne Trendanbiederung, bis es dann in der 2. Hälfte weit rockiger zu Werke geht, was dem Stück extrem gut tut, Puristen aber vielleicht durchaus sauer aufstossen könnte.
Genrerell findet sich auf diesem Album im Detail viel, was nicht wirklich in die Schule des BM passt. Der Blues-Break in "Wolf`s curse" scheint ein Tribut an frühe Tiamat zu sein, viele Soli auf dem Album können durchaus auch mal die Atmosphäre torpedieren und die Produktion ist fast zu gut. Ich erwarte und will auch keine Kellerproduktion, aber ein paar Ecken, Kanten und rauhe Herangehensweise hätten dem Album gut getan.
Wer die letzen beiden Alben dieser Band mochte, wird hiermit teilweise seine Schwierigkeiten haben. "Sworn to the dark" war Dissection-Verbeugung und "Casus Luciferi" ein geniales, riff-orientiertes Album.
Auf "Lawless darkness" passiert viel, zuviel, wenn man ehrlich ist. Es braucht sehr viele Anläufe und auch dann will sich bei diesem Album eher Respekt vor den handwerklichen Leistungen einstellen, als Atmosphäre, zudem das Album mit 73 Min. (79 Min. mit Bonustrack) viel zu lang ausgefallen ist. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Das ist Jammern auf hohem Niveau und 4 dicke Punkte gibt es dennoch. Aber so erfüllend, wie die letzten beiden Scheiben finde ich die Neue dann doch nicht, eben aus genannten Gründen.
Vielleicht noch zur Aufmachung: Das Digi-Pack hat ein Cut Out Cover und ein geschmackssicheres Booklet mit allen Texten und Zeichnungen, die gut zur Musik passen. Zudem die Digi-Version noch mit einem Bonustrack aufgewertet wird ("Chains of death"-Cover von Death SS).
Liebhaber sollten aber zur Vinylversion greifen, die von Norma Evangelium Diaboli aufgelegt wurde, in einem Triple Gatefold Doppelvinyl (180g, schwarz) mit fettem 24seitigen Booklet und Poster daherkommt, ebenfalls mit Cut-Out Cover. Besser kann man eine Vinylversion kaum veröffentlichen.