Ich habe den kleinen Roman genossen, doch ärgerte mich eine Nachlässigkeit am Anfang, als die Erzählerin ihre Protagonistin Dahlia über ihre roten Haare sinnieren lies, dabei den alten Vers von roten Haaren, Sommersprossen und der Zugehörigkeit zum Teufel erwähnte und ' unverzeihlich ' den Begriff Volksgenosse der DDR zuordnete. Unverzeihlich, weil nicht viel Recherchearbeit nötig ist, ein Blick auf wikipedia hätte gereicht um zu verstehen, dass es in der DDR zwar Volk und Genossen gab, aber keine Volksgenossen.
Der Lavendelblues hat mich gefangen, er ist durchaus der Sparte 'Frauenroman' zuzuordnen durch die Themenwahl.
Drei Freundinnen, die mehr oder weniger die Dreißiger überschritten haben, meistern Dank der Freundschaft ihre Existenznöte ' so meine Quint des Ganzen.
Petra von Cronenburg hat sich für die Erzählweise im Präsens entschieden, die Detailbetrachtungen entgegenkommt und dadurch die Geschichte 'entschleunigt'.
Gut eingepasst und dem kleinen Roman Tiefe gebend ist die Erinnerungsgeschichte an die Errettung des jüdischen Kindes Gideon durch 'Madam Truthahn' in der Zeit der deutschen Besetzung des Elsass, die einerseits der Protagonistin Dahlia zum relativieren eigener Schwierigkeiten taugt, anderseits noch in der 'Jetztzeit' des Romans eine gewisse Rolle spielt.
Die Liebe kommt auch nicht zu kurz, was bei der Altersgruppe Ü30 ja nicht mehr so einfach ist und von der Autorin auch so erzählt wurde. Geschickt lässt sie den Roman enden, dass man als 'liebeshungriger' Leser zwar zufrieden ist, aber nicht rosarot eingelullt wurde.
Mir hat der kleine Roman ' wie schon erwähnt - sehr gefallen und er hat meine Neugier auf Frankreich noch größer gemacht, als sie zuvor schon war.