Als Helmut Toppe in "Königsschießen" erstmals literarisch ermittelte, war er Mitte 40. Das ist mehr als 20 Jahre her und seine Erfinder, das "Trio Criminale" vom Niederrhein, müssten ihn eigentlich allmählich in den wohlverdienten Ruhestand versetzen.
Weil aber Toppe, van Appeldorn, Arend Bonhoeffer, Jupp Ackermann und natürlich Astrid Steendijk - seit dem vierten Fall die neue Frau an Toppes Seite - und der nach und nach in die Reihe eingeführte Ermittlernachwuchs sicherlich von vielen Lesern arg vermisst würden, zäumen Hiltrud und Artur Leenders sowie Michael Bay das Pferd einfach nochmal von hinten auf.
August 1988: Toppe baut gerade ein Haus neben seinen Schwiegereltern und fragt sich nicht zum ersten Mal, ob das wirklich so eine gute Idee ist. Er ist noch nicht so richtig heimisch am Niederrhein und in seinem neuen Team, in dem Astrid Steendijk als Praktikantin, van Appeldorn als Toppes Assistent, Breitenegger als Aktenführer und schließlich Jupp Ackermann als Allzweckwaffe und Gute-Laune-Bringer ihren ersten gemeinsamen Mordfall lösen müssen, ebenfalls noch nicht richtig angekommen.
Ein Richter, allen als pflichtbewusster, prinzipientreuer Mensch in Erinnerung, wird auf dem Gelände einer Gärtnerei erschlagen aufgefunden.
Die Beweislage ist schwierig, man arbeitet noch nicht mit computergestützten Ermittlungsmethoden und so dauert es eine ganze Weile, bis es konkrete Spuren gibt, die mit viel Fußarbeit untermauert werden müssen und schließlich zum Abschluss gebracht werden können.
"Lavendel gegen Ameisen", diese kleine Notiz auf einem Zettel, der beim Toten gefunden wird, birgt schließlich die Lösung für ein sinnloses Verbrechen.
Keine Frage: Das Buch ist etwas für die ganz Treuen!
Weder die Kriminalgeschichte noch die durch die späteren Fälle deutlich gewordenen Ermittlercharaktere können den Fan wirklich überraschen.
"Lavendel gegen Ameisen" hat aber dennoch viel Charme!
Zunächst einmal gelingt es den Autoren sehr geschickt und glaubhaft, den Leser fast fünfundzwanzig Jahre zurück zu versetzen. Eine Zeit ohne Handys, dafür mit vollen Aschenbechern in allen Dienstzimmern vergegenwärtigt sich den Lesern auf sehr unaufdringliche Weise.
Auch das Verbrechen ist so typisch Leenders/Bay/Leenders.
Mitten in der bürgerlichen Wohlanständigkeit kommt die Niedertracht eben eher unauffällig daher...
Ich hatte - wie immer - Freude daran, die Klever Kommissare zu treffen und habe mich über den Ausflug in die Vergangenheit sehr gefreut.
Im August geht es mit Toppes zweitem Fall - der in diesem ersten Buch schon angedeutet wird und zeitlich noch immer vor "Königsschießen" liegt - weiter und ich freue mich darauf, so wie man sich eben freut, wenn man von alten Bekannten zum Kaffeetrinken eingeladen wird und nicht nur über die Gegenwart und die mögliche Zukunft spricht, sondern auch einen Blick in alte Fotoalben wirft...