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Lauter Verrisse: Mit einem einleitenden Essay [Taschenbuch]

Marcel Reich-Ranicki
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1. September 1992

Kritische Auseinandersetzungen mit Werken von Alfred Andersch, Stefan Andres, Thomas Bernhard, Peter Bichsel, Horst Bienek, Günter Eich, Hans Magnus Enzensberger, Hubert Fichte, Günter Grass, Rudolf Hagelstange, Peter Handke, Peter Härtling; Günter Herburger, Stefan Heym, Günter Kunert, Reinhard Lettau, Adolf Muschg, Hans Erich Nossak, Helga M. Novak, Anna Seghers, Friedrich Torberg, Martin Walser, Peter Weiss, Dieter Wellershoff.


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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Über den Autor

Marcel Reich-Ranicki, Professor, Dr. h. c. mult., geboren 1920 in Wloclawek an der Weichsel, ist in Berlin aufgewachsen. Er war von 1960 bis 1973 ständiger Literaturkritiker der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ und leitete von 1973 bis 1988 in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹ die Redaktion für Literatur und literarisches Leben. 1968/69 lehrte er an amerikanischen Universitäten, 1971 bis 1975 war er Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten Stockholm und Uppsala, seit 1974 Honorarprofessor in Tübingen, 1991/92 Heinrich Heine-Gastprofessur an der Universität Düsseldorf. Von 1988 bis 2001 leitete er das ›Literarische Quartett‹. Ehrendoktor der Universitäten in Uppsala, Augsburg, Bamberg, Düsseldorf, Utrecht und München. Goethepreis des Jahres 2002

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Kundenrezensionen

4.2 von 5 Sternen
4.2 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Literaturkritik 29. Juni 2003
Marcel Reich-Ranicki wird oft vorgeworfen, er hege Animositäten gegen bestimmte Schriftsteller und er benutze seine Kritiken, um die mißliebigen Autoren niederzumachen oder gar "hinzurichten". Liest man "Lauter Verrisse" bestätigt sich diese Auffassung nicht. Schon allein deshalb, weil Reich-Ranicki in keinem einzigen dieser Aufsätze sagt, daß dieser oder jener Schriftsteller nichts tauge. Im Gegenteil, den etablierten bestätigt er, daß sie schon bewiesen haben, daß sie besser schreiben können und nennt ihre herausragenden Werke, den jungen Autoren bescheinigt er Talent und er erwartet in Zukunft von ihnen gelungere Arbeiten. Er behauptet nur, daß eben dieser spezielle Text mißraten ist.

Liest man die hier gesammelten Aufsätze, dann muß man zugeben, daß der Mann recht hat. Natürlich liest kein Schriftsteller gerne Sätze über sich wie: "Doch dieses Produkt von Anna Seghers ist nicht nur langweilig und geschmacklos und vollkommen mißraten, es ist auch noch töricht und verlogen..." Aber wenn Anna Seghers in ihrem Roman "Das Vertrauen" schreibt, die Aufständischen des 17.Juni 1953 seien lediglich "Agenten, Idioten und stinkende Individuen", dann hat sie keine andere Beurteilung verdient. Und wenn sie über Stalins Tod schreibt:"Auch solche, die bisher diesen Tod nicht so stark empfunden hatten, fühlten erschrocken, daß ihnen etwas Schweres, Unwiederbringliches geschehen war", dann ist weder die Sprache noch der Inhalt lobenswert.

Ohne Reich-Ranicki wären dem Leser vielleicht auch Stilblüten wie diese entgangen: Nach dem Tod eines Kindes läßt Stefan Andres eine Frau sagen: "Ihr Grab ist noch nicht eingesunken-und ich soll bei dir liegen Odilo? - wie kannst du das von mir verlangen?-ich soll Lust in meinem Schoß haben, wo ich sie trug." Ist das gute Literatur? Nein, behauptet Marcel Reich-Ranicki und wer wollte ihm da widersprechen.

"Otto Normalleser" läßt sich ja auch gerne mal von einem berühmten Namen beeindrucken und denkt sich: "Das Buch ist von Grass, also muß es gut sein. Und wenn es mir nicht gefällt, dann habe ich es wahrscheinlich nicht richtig verstanden." Reich-Ranicki sagt sinngemäß: "Nein, tut mir leid und wenn Grass auch das großartige Buch "Die Blechtrommel" geschrieben hat, diesmal hat der Kaiser keine Kleider an." Und er zitiert, erklärt und weist an objektiv nachvollziebaren Kriterien nach, warum "Örtlich betäubt" kein gelungenes Buch ist.

Dabei verbindet er eine profunde Sachkenntnis mit Witz und Ironie und bietet dem Leser so ein wahres Lesevergnügen.

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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein lesenswertes interessantes Werk 10. November 2001
Von susanne
Dieses Buch das 1984 veröffentlicht wurde und wie der Titel schon sagt "Lauter Verisse" enthält. Es werden sowohl Schriftsteller der damals noch bestehenden DDR rezensiert, als auch Schriftsteller der BRD.
Auch wenn Reich-Ranicki die Werke mit denen er sich hier auseinandersetzt zum Teil scharf kritisiert, was sicherlich auch richtig ist, gewinnt man nie den Eindruck er wolle den Autoren etwas "Böses".
Doch das entscheidende dieses Buches ist, das es trotz seiner sachlichkeit unterhält und zum Teil sogar amüsiert, was bei einem Sachbuch sonst selten der Fall ist. Als Beispiel nehme man hier die Rezension zu Anna Seghers "Das Vertrauen", wo Ranicki schreibt "(...)Aber das, was jetzt leider vorliegt, dieser Roman mit dem Titel "Das Vertrauen",übertrifft die ärgsten befürchtungen, und dies auf schwer vorstellbare Weise."
Man mag zu seinen Kritiken stehen wie man will, doch man versteht seine Kritiken besser wenn man ihn einmal sprechen gehört hatte. So sagte er einmal in einer Talkshow das Literatur nur ein Spiel sei und man deshalb nicht alles was er sage auf die Goldwage legen dürfe.
Alles in allem denke ich, ist dies ein interessantes Buch was zu Diskusionen anregt und auch durch seine sprache überzeugt und kein bisschen langweilig wird.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verisse im Dienste des Lesers 26. Oktober 2006
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
"Es gibt eine zerstörende Kritik und eine produktive. Jene ist sehr leicht, denn man darf sich nur irgendeinen Maßstab, irgendein Musterbild, so borniert sie auch seien, in Gedanken aufstellen, sodann aber kühnlich versichern, vorliegendes Kunstwerk passe nicht dazu, tauge deswegen nichts, die Sache sei abgetan. Die produktive Kritik ist um ein gutes Teil schwerer: sie fragt. Was hat sich der Autor vorgesetzt? Und ist dieser Vorsatz vernünftig und verständig? Und inwiefern ist es gelungen, ihn auszuführen?" Die produktive Kritik, so Goethe weiter, ist eine Kritik im Dienste des Künstlers, sie sucht ihn in seiner ganzen Tiefe zu verstehen und in seiner Weiterentwicklung zu helfen. Da ist Marcel Reich-Ranicki, der dieses Zitat auf S. 26 des vorliegenden Buches anführt, natürlich ganz anderer Meinung: die Kritik muss nicht im Dienste des Künstlers sondern des Publikums stehen. Schande über die "Alleslober", ruft er auf S. 35 und postuliert: Kritik darf nicht nur nicht nicht ablehnen, sondern sie MUSS ablehnen. Wie sehen diese Ablehnungen bei MRR aus? Dass Hans Magnus Enzensberger in seiner 'Anthologie von Schiller Gedichten' eine "gereinigte Auswahl" (S. 184) vorgeworfen wird, ist noch der mildeste Vorwurf, der als "Verriss" in dem vorliegenden Buch erhoben wird Bei Wellershoffs Werk "Die Schattengrenze" ist das Geschreibsel aber schon "zu schlecht, als das es ignorier werden könnte"(S. 102). Handkes "Linkshändige Frau" ist eine verunglückte Courts-Mahler-Parodie(S. 182), Peer Härtlings "Das Familienfest" wird mit den literaturästhetischen Maximen des Autors daselbst zur Strecke gebracht, (S.155). Stefan Heym verdankt seinen Rum weniger der Qualität seiner Bücher als seinem Ruf eines SED-kritischen Schreibers (S. 82), in Wahrheit scheitert er in seinem Roman "5 Tage im Juni" aber nicht an der Zensur "sondern an den Grenzen seines Talents"(S.85). So geht das in einem fort, und alles, was der Meister gegen Thorberg, Andersch, Seghers und Konsorten einwendet, klingt so einleuchtend, dass man sich kaum traut, eine abweichende Meinung über eines der Bücher zu äußern. So schlecht fand ich Stefan Heyms "5 Tage im Juni" auch wieder nicht, und dem, was MRR über "Örtlich betäubt" von Günter Grass schreibt, kann ich keinesfalls zustimmen. Es war das erste anspruchsvolle Buch, dass ich mir vor fast vierzig Jahren von meinem Taschengeld gekauft habe, und es hat mich immerhin zur Literatur geführt. Dass MRR dieses Buch in Grund und Boden stampft, hat er jedenfalls nicht in meinem Namen getan, und ich gehöre auch zum Publikum. Auf der anderen Seite muss man aber auch zugeben, dass es ein Segen ist, dass auch in unseren durchgeknallten Zeiten noch eine Autorität mit Geist und Reputation existiert, die das Paradoxe paradox und das Skurrile skurril nennen kann. Man lese dazu nur in dem vorliegenden Buch die Kritik an dem Theaterstück 'Trotzki im Exil' von Peter Weiss, einem Bühnenwerk, das die Weltrevolution und das Ende jener bürgerlichen Klasse fordert, die eben dieses miserable Stück bei einer Premiere in Düsseldorf überwiegend wohlwollend beklatschte. Warum lassen sich die Besucher so etwas gefallen? fragt MRR mit Recht und schreibt: "Man speit sie an, und sie tun, als wäre es ein harmloser und lieber Regenschauer. Der Grund ist einfach: sie halten, das, man ihnen bietet, für Literatur."(S.97). Bravo, Marcel, kann man da nur sagen, die Lektüre dieser einen Kritik lohnt den Kauf des ganzen Buches.
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