Eine wahre Ausnahme von der Regel liegt hier vor: Deutschland gefürchtetster "Verreißer" möchte zeigen, daß er auch zu loben versteht und stellt deshalb Aufsätze von sich zusammen, in denen es etwas für ihn Seltenes gibt: Lob. Am Beispiel von zwanzig deutschen Autoren zeigt er, daß es seiner Ansicht nach auch gute Bücher gibt. Scheinbar sah er sich dazu genötigt, da er von der Öffentlichkeit immer wieder zum Scharfrichter und Dichterkränker stilisiert wurde. Dennoch finden wir hier keine undifferenzierten Lobeshymnen, sondern schon genaue Untersuchungen. Gewidmet ist das Buch interessanterweise Martin Walser, "der behauptet, meine Lobreden seien keine Lobreden". An Autoren finden wir viele Vorzeigeautoren der deutschen Nachkriegsliteratur: Marie Luise Kaschnitz, die Meisterin des beredten Schweigens, Wolfgang Koeppen, der Dichter der aggressiven Resignation, Martin Walser, das anatomische Wunder, Walter Jens, der Redner dieser Republik, oder auch Peter Rühmkorf, der Prediger mit der Schiebermütze. Beginnend mit diesen netten Beinamen beschäftigt sich Reich-Ranicki mit dem Werk der Autoren, mehr aber noch mit dessen Grundtendenzen und dessen Rezeption. Interessant sind die Einbettungen in den Alltag der Bundesrepublik - insbesondere wenn es um den Umgang mit dem Dritten Reich geht, gehören doch viele Autoren auch zur Generation der Nachkriegsliteraten. Mit diesem Buch kann man Eindrücke zu bestimmten Autoren gewinnen. Zur näheren Beschäftigung helfen die Anmerkungen und Verweise am Ende des Buches, die zu jedem Autorenporträt benutzte Quellen auflisten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)