1987 gab Jonathan Carroll mit 'Laute Träume' den Auftakt zu seiner "Rondua"-Reihe, in der der Autor immer wieder scheinbar alltägliche Personen und banale Situationen in seine Traumwelt Rondua münden lässt. 'Bones of the Moon' (So der Titel im Original) erzählt die Geschichte der New Yorker Journalistin Cullen, die von Liebschaft zu Abenteuer hetzt und ihren Lebenssinn und ihre große Liebe sucht. Als sich herausstellt, dass der kühle Liebhaber nichts von einem Kind wissen möchte, entschließt sie sich zu einer Abtreibung, die sie psychisch sehr belastet. Und auch wenn sie nur unwesentlich später mit der alten College-Liebe Danny und der bald darauf geborenen Tochter ein scheinbares Gleichgewicht wiedergefunden hat, lassen sie ihre Träume nicht los. In Rondua verarbeitet sie Eindrücke ihres Alltags genauso wie das psychische Trauma der Abtreibung. Von nun an spinnt sich der Erzählfaden auf zwei Ebenen.
'Laute Träume' beginnt unspektakulär und offen gesagt extrem langweilig. Von den rund 200 Seiten entfallen die ersten 50 auf eine langatmige Exposition, in der Romanzen und enttäuschte Herzen die Hauptrolle spielen. Unverständlich ist vor allem die Tatsache, dass hier extrem ausführlich über Cullens Mann geschrieben wird, der später nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird.
Der Bruch setzt darauf aber nahtlos ein, Cullen irrt durch eine nicht angedeutete Traumwelt mit gigantischen sprechenden Tieren, eine Welt, die sie zusammen mit ihrem abgetriebenen, aber hier schon achtjährigen Sohn bereist um diese von der Diktatur zu retten. Man erkennt ein wenig 'Herr der Ringe', ein bisschen 'die unendliche Geschichte', aber der niedliche und harmlose 'Alice im Wunderland'-Charakter wird gen Ende immer mehr durch verstörende Eindrücke verwischt, die das Buch angenehm aus der 08/15-Kost hervorheben. Traumwelt und Realität wechseln laufend und das Buch entfaltet seinen größten Pluspunkt, bis hin zu einem dramatisch gelungenen Ende.
Fazit
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'Laute Träume' bietet kurzweiliges Lesevergnügen, spannende Passagen und geht der Frage nach unserem Unterbewussten nach. Das Phantastische wird hier nur angedeutet und nicht erschöpfend erklärt. Ein Kunstgriff und dennoch die richtige Wahl, behält der Roman nach einem höchst mäßigen Beginn die Spannungskurve konstant oben. Sehr zu empfehlen, sie werden auf andere Bücher Carrolls gespannt sein.