Zum Zeitpunkt der Erstauflage mag dieses Büchlein ja noch eine ganz nette Lektuere gewesen sein, waren deutschsprachige Filmbücher da überhaupt eher rar. Aber viel mehr als das Prädikat, das erste rein deutsche Laurel-und-Hardy-Buch zu sein, hatte das Werk aber schon damals nicht zu bieten. Und auch dieses vermeintliche Verdienst ist rein formaler Natur, hatte doch Michael Hanisch in seinem 1976 erschienenen Buch "Uber sie lach(t)ten Millionen" gleich Buster Keaton und Haold Lloyd mit behandelt. Und William K. Eversons herrliches deutsches Goldmann-Filmbuch von 1980 war eine Adaption eines US-Standardwerkes aus dem Jahr 1967, wenngleich eine höchst gelungene mit signifikanten Ergänzungen von Joe Hembus für den deutschen Leser.
Was erwartet dieser nun von einem deutschen Buch über US-amerikanische Komiker? Nun, natürlich doch nicht nur nacherzähltes Bekanntes, sondern vor allem neue Fakten und Einsichten, vielleicht auch aus dem spezifischen Blickwinkel des europäischen Kulturkreises. Auch das hatte Hanisch bereits in den 70ern geliefert, wenngleich seine "sozialistische" Sichtweise einem heute eher ein leichtes Schmunzeln abnötigt. (Kleiner Diskurs: Wie schade, dass sich der Journalist Wolfram Tichy nie dem Team gewidmet hat. Seine Bücher über Chaplin, Keaton und Lloyd und sein Langdon-Essay sind auch noch heute höchst lesenswert.) Oder der deutsche Leser erwartet eben auch ganz selbstverständlich deutsche Rezeptionsgeschichte. Da hatte für Stan und Ollie der verdienstvolle Joe Hembus den Grundstein gelegt, als er die deutsche Ausgabe des Everson um eine vergnügliche Kompilation der Theo-Lingen-Einleitungen für die Spielfilmfassungen des ZDF ergänzte und als Pionierarbeit eine erste Liste von deutschen Kino- und TV-Titeln erstellte. Das war nur die Spitze des Eisberges, den erst vor kurzem Norbert Aping in seinem vorbildlichen und vergnüglich zu lesenden Mammutwerk mit dem schön provokativen Titel DAS DICK UND DOOF BUCH völlig sichtbar gemacht hat. Echte Filmforschung nennt man das.
Derartiges oder sonstiges Neues lernt man bei Blees so gut wie gar nicht. Zwar werden ein paar (obendrein teils fehlerhafte, hoffentlich wenigstens in den Neuauflagen korrigerten) Informationen zur deutschen Rezeptions- und Bearbeitungsgeschichte geliefert. Aber vor der wirklich erforderlichen, intensiven Recherchearbeit zu diesem Komplex hat sich der Autor doch ganz offenbar gescheut. So bietet er eigentlich wenig mehr als eine Nacherzählung von Eversons Filmbeschreibungen: die deutschen Titel-Listen bleiben auch weiterhin lueckenhaft, und Informationen zu aktuell erhaeltlichen Videoveroeffentlichungen, DVDs findet man ohnehin besser, und vor allem aktueller, im Netz auf den Webseiten ruehriger Wuestensoehne.
Fazit: Wer das definitive Werk zur Geschichte von Laurel und Hardy in Deutschland sucht, greife besser gleich zu Apings anspruchsvollem Standardwerk, das übrigens nicht nur faszinierende Sychron-, Rezeptions- und Fassungsgeschichte bietet, sondern eben auch sämtliche Stan-und-Ollie-Filme grundlegend beschreibt. Und wer klassische deutsche Laurel-und-Hardy-Bücher möchte, sollte versuchen, antiquarische Ausgaben von Everson/Hembus und Hanisch zu finden. Alle diese Bücher sind übrigens erheblich ansprechender geschrieben als Blees' Buch. Eine Neuauflage von Goldmanns Klassiker Everson-Hembus, das wäre ein Grund zur Freude gewesen. Blees hingegen ist allenfalls etwas für den Komplettisten.