Der Name dieser neuen Band führt eigentlich in eine völlig falsche Richtung: „Oi Va Voi" ist Yiddisch und bedeutet „Oh mein Gott". Nun sind Oi Va Voi aber alles andere als eine traditionell yiddische Klezmer Band. Sie stammen alle aus dem Melting Pot London und haben musikalische Backgrounds die sich aus NuJazz, Drum 'n' Bass, HipHop, Rock und Latin zusammensetzen. Die ethnischen Roots der einzelnen Bandmitglieder helfen bei der musikalischen Einordnung da schon eher weiter: fast alle habe jüdische Vorfahren, die aus den verschiedensten Teilen Osteuropas, wie Polen oder Ungarn, stammen. Entsprechend vielschichtig ist das, was auf dieser CD zu hören ist: Osteuropa Klezmer, Gypsy-Brass, Ibero-Latin, Hungaro-Folk, Dub-Reggae, Cockney Groove und HipHop Beats. Anders ausgedrückt: von Goldfrapp über Morcheeba bis Ochos De Brujo oder Klezmatics kann man überall entfernte Ähnlichkeiten ausmachen, ohne jedoch das Gefühl zu bekommen, hier sei schmählich kopiert worden. Im Gegenteil: die eigene Identität dieser Band ist so ausgeprägt und so unverwechselbar, daß man sich von der ersten bis zur letzten Minute dieser Platte die Augen reibt und sich verwundert fragt, warum man auf so etwas so lange hat warten müssen.
Vielsprachigkeit ist da natürlich bei solch einer Produktion Pflicht. Für die hauchzarten englischen Vocals zeichnet einerseits die Schottin KT Tunstall verantwortlich, die zudem auch noch des Spanischen mächtig ist und dem „Ladino Song" einen ziemlich authentischen Flamenco-Touch verleiht. Zum anderen haben wir da einen gewissen Earl Zinger (alias Rob Gallagher - ehemals Sänger von Galliano), der auf der urig-schrägen Balkan-Nummer „Gypsy" den Londoner Rude Boy mimt. Für den wunderschönen ungarischen Folksong „A Csitári Hegyekalatt" wählten Oi Va Voi die Sängerin Judit Németh aus, deren zartes Kinderstimmchen mich stark an die Ungarin Irén Lovász und ihr formidables Album „Rosebuds In A Stoneyard" (Erdenklang, 1996) erinnert. Die jüdischen Vocals steuert Oi Va Voi-Klarinettist Steve Levi bei und für „7 Brothers" stand die Usbekin Sevara Nazarkhan hinter dem Mikrofon. Sie veröffentlichte gerade bei Real World ein prächtiges Album.
Und um auf dieses unglaublich packende Gebräu noch weiter Appetit zu machen, sei noch darauf hingewiesen, daß für mehrere Tracks der Israeli Moshik Kop als Co-Produzent gewonnen wurde (sein Album „Way Above Below", Forte Records, sorgte 2001 für Schlagzeilen) und der Toningenieur Toni Economides (Da Lata, Nitin Sawhney) mit seinen Magierhänden stand an den Reglern.
„Laughter Through Tears" ist ein Fusion-Album, wie es bisher noch keines gab: mitreißend, intelligent, innovativ und unglaublich gefühlvoll. Ein Volltreffer also.