Pipeline Praetorius hat ihren Vornamen nicht von ungefähr. Zu ihrem Pech war ihr Vater zum Zeitpunkt ihrer Zeugung im tiefsten Sibirien am Bau einer Ölpipeline beteiligt. Da er außer schlechtem Hochdeutsch keine Fremdsprachen beherrschte, musste er die Dienste der Dolmetscherin Olga recht häufig in Anspruch nehmen, und die beschränkten sich nicht nur aufs Übersetzen, ein Umstand, dem Line ihr Leben verdankt. Ausgestattet mit einem unsäglichen Chaos-Gen stolpert sie von einem skurillen Abenteuer ins nächste. An ihrer Seite ist auch ihre beste Freundin Lila, die nie um gute Ratschläge verlegen ist und auch immer eine - wenn auch oft unkonventionelle - Lösung findet. So wehrt sie z. B. mit bis zum Anschlag aufgedrehter Musik von Maria und Margot Hellwig gegen ihren WG-Mitbewohner, der sie pausenlos mit Xavier Naidoo beschallt. Eine tragende Rolle spielt auch Lines Nachbar und heimlicher Verehrer Leon, ursprünglich Hamburger, der mit dem Einleben im Ländle so seine Schwierigkeiten hat und sich beim Bäcker regelmäßig taubstumm stellt, weil er sich nicht traut, hochdeutsch zu sprechen.
Davon abgesehen, dass dieses Buch beste Unterhaltung ist, ist es auch eine Hommage an Stuttgart und seine liebenswert verschrobenen Bewohner. Kenner der Stadt laufen eigentlich ständig mit der Protagonistin mit und haben die Straßen und Plätze vor Augen, was alles noch plastischer und unmittelbar erlebbar macht. Für Freunde der Schwäbischen Sprache gibt es jede Menge Dialekt, über den ich mich teilweise gekugelt hab - geschrieben ist das Ganze ja noch viel netter als wenn man es bloß hört. Dennoch kann man sich auch als Nichtschwabe an das Buch heranwagen; für Nichtkenner der schwäbischen Mundart wurden wichtige Begriffe sehr anschaulich und witzig durch Fußnoten erklärt.
Das einzige, was mich persönlich nicht so begeistert hat, ist der Titel. "Laugenweckle zum Frühstück" kommt meiner Meinung nach etwas plump daher, der offensichtliche Bezug zu Bridget Jones eher peinlich. Hätte das Buch wirklich nicht nötig gehabt. Zumal die Laugenweckle kaum eine tragende Rolle spielen und es den Eindruck hinterlässt, als hätte man sie nachträglich in die Handlung eingebaut, um den Titel zu rechtfertigen.
Davon abgesehen ist "Laugenweckle zum Frühstück" wirklich lesenswerte gute Unterhaltung, die den Leser gutgelaunt zurücklässt. Für Stuttgarter eigentlich eine Pflichtlektüre.