Alain Watts war als Religionsphilosoph einer der ersten westlichen Schriftsteller, der sich den Themen Taoismus und Zen auf sehr profunde Weise annahm. "Der Lauf des Wassers" erschien erstmals 1975, zwei Jahre nach dem frühen Tod von Alain Watts, und vereinigt Gedanken über das Tao, Yin und Yang, Wu-Wei, und Te - die elementaren Themen des Taoismus. Scheinbar wollte Watts noch weitere Kapitel schreiben, kam aber nicht mehr dazu. Aber auch so ist dieses Buch sicherlich etwas vom Besten, das man auch heute noch über den Taoismus lesen kann. Al Chung-liang Huang, ein Freund Watts, übernahm die Aufgabe, das Buch zu editieren und fertig zu stellen.
Im "Lauf des Wassers" findet man neben sehr fundierten Erklärungen zu dieser alt-chinesischen Philosophie auch sehr schöne Sätze, beispielsweise zum Thema "Leere": "Wir erfassen nicht so leicht, dass die Leere schöpferisch und dass Sein aus dem Nichtsein kommt wie der Klang aus der Stille und das Licht aus dem Raum."
Oder über die grundlegende Art des idealen taoistischen Verhaltens (Wu-wei): "...man kennt die Prinzipien, Strukturen und Neigungen menschlicher und natürlicher Dinge so gut, dass man im Umgang mit ihnen ein Minimum an Energie verbraucht." Das ist meiner Meinung nach wesentlich besser erklärt als es üblicherweise getan wird, indem man Wu-wei einfach mit "Nichtstun" übersetzt.. Solche Heranführungen beweisen einfach das tiefe Verständnis von Watts hinsichtlich des Themas.
Das Buch mag zwar also unvollendet sein, aber es bietet auf seinen beinahe 200 Seiten doch noch mehr als genug Erkenntnisse und Weisheiten, damit es für jeden am Taoismus (oder einfach am Leben) Interessierten ein Gewinn ist.
Peter Steiner, Autor von "Das Wesentliche so nah", "Weisheit für Minimalisten" u.a.