Wie oft schon wurde Latein totgeredet, wurde der Sprache der praktische Nutzen für die ganz von "business" und Technologie beherrschte Gegenwart abgesprochen. Und wie oft wurde schon dagegengehalten, dass Lateinschüler auch in allen anderen Fächern statistisch besser abschneiden, dass sich Fremdsprachen um vieles leichter lernen lassen, dass Geist und Denken des Lernenden in unvergleichlicher Weise geschult und zu Präzision angehalten werden? Aber wie kann sich die Sprache denn auch behaupten, wenn selbst einige neuzeitorientierte Geisteswissenschaftler an so mancher Universität kurzsichtig das Latein zum alten Eisen werfen wollen, da es nicht in die Welt der BA- und MA-Module passt? Ganz so, als wäre Latein in einigen Fächern nicht bis vor wenigen Jahrzehnten noch Wissenschaftssprache gewesen, als wären Geschichte und Kultur des Abendlandes bis in die Gegenwart ohne Latein auch nur im Ansatz zu begreifen.
Einer ihrer besten Kenner und größten Liebhaber, der bekannte Freisinger Altphilologe Wilfried Stroh, hat der "Königin der Sprachen" nun eine Geschichte gewidmet, die in der Vorzeit Roms beginnt und mit den Bemühungen heutiger Tage für lebendiges Latein endet. Ihm ist dabei nicht nur eine fesselnde Sprachgeschichte gelungen, sondern eine Liebeserklärung an die Sprache und ihre Schönheit, egal ob sie aus augusteischer Zeit, aus dem Mittelalter oder der Neuzeit zu uns spricht. Dabei vertritt auch der Autor die Meinung, dass Latein tot und bereits im augusteischen Zeitalter "in Schönheit" entschlafen ist: nur so, im Zustand der Vollendung in Grammatik und Syntax erstarrt, konnte es die Zeitläufte überdauern und bis heute zur erfolgreichsten Sprache der Welt werden.
"Latein ist tot, es lebe Latein" ist ein spannendes, sprachlich elegantes Werk, das immer wieder den Bezug zur Gegenwart sucht und dem Leser wirklich den Zauber des Lateinischen zu vermitteln vermag. So mancher wird sich dabei ertappen, wie er sich selbst an Übersetzungen der vielen Quellenstellen versucht, die der Autor aber nicht nur selbst überträgt, sondern ebenso fachkundig kommentiert. Abgerundet wird das schöne Buch durch einen Anhang zur Aussprache und Betonung im Lateinischen, das neben Bekanntem (caesar = kaisar) so manches Unbekannte und Überraschende bereit hält.
Ein rundum gelungenes Buch, ein eloquentes, liebevolles Plädoyer für das Lateinische, dem ich viele Leser wünsche. Gratias ago.