So würden die Dresden Dolls klingen, wenn
-Phil Spector sie gecastet hätte
-Freddy Mercury ihre Songs arrangieren würde und
-Jim Steinman das ganze produziert hätte.
Für Kenner/innen von Maria McKee:
"Late December" ist nicht die Fortsetzung von "Peddlin' Dreams", es ist vielmehr der Rock-Opera-Nachfolger von "High Tide". Das war beim ersten Hören durchaus eine gewisse Enttäuschung für mich, inzwischen habe ich mich aber auch dieses Schmock-Album reingehört. Sensationell: "No Other Way To Love You" - hier zieht Maria jedes Register ihrer Wahnsinnsstimme.
Für Interessierte:
Maria McKee ist seit 25 Jahren im Geschäft und hat die beste Rockstimme überhaupt. Begonnen hat sie als Kopf der Roots-Rocker Lone Justice, deren 2. Album "Shelter" ich als erste Begegnung mit Frau McKee empfehle. Es folgt eine Solo-Karriere mit drei ganz unterschiedlichen Alben über einen langen Zeitraum (1989 - 1998). Dann eine lange Pause, ehe mit dem Album "High Tide" (2003) eine Wiedergeburt einsetzt. Denn seither sind noch zwei Live-Alben und "Peddlin' Dreams" und jetzt "Late December" erschienen - also 5 Alben in 5 Jahren, welch ein Wechsel.
"Late December" ist ein Rock-Album, das sich am Bombast-Sound der 60er- und 70er orientiert: Phil Spector, Queen, Meatloaf etc. Das kommt den melodramatischen Qualitäten von McKees Stimme entgegen: Sie bewegt sich über etliche Oktaven, schmeichelt, heult, dröhnt und quietscht. Es gibt mehrere Rock-Opern auf dem Album wie "No Other Way To Love You", "Too Many Heroes" und das völlig überdrehte "Destine". Auf letzterem wird besonders spürbar, wie viel Spaß McKee daran hat, die Rocksau durchs Dorf zu jagen.
Das Album will laut gehört werden, will mitreißen. Was ihm fehlt, sind die intimen Songs, anscheinend hat Frau McKee erst mal genug davon, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Damit fehlt eine Qualität, die ihre Alben immer ausgezeichnet hat. Jeder Song für sich ein Hammer, aber wenn's immer nur hämmert, wirst Du irgendwann bedröhnt ... also nur vier Sterne, weil die Vorgänger noch besser sind.