Das Buch zu Sterben und Tod ist kein Ausstellungskatalog im üblichen Sinne. Man bekommt nicht die tatsächliche Ausstellung vor gestellt, sondern es liefert den pädagogischen, theologischen, psychoanalytischen und historischen Hintergrund zur gleichlautenden Ausstellung "Last Minute". Beides ein Schweizer Originalprodukt. Der Leser/Rezipient selbst muss inhaltlich transferieren, was nicht immer gelingen kann. Wenn Design zur Philosophie wird, so ist dieses Buch ein gutes Stück Philosophie. Aber, es ist schon etwas Philosophie drin, das Etwas reicht auch, bei diesem schwergewichtigen Thema. Denn was berührt, sind die persönlichen, menschlich allgemeinen Erfahrungen und Beispiele von Medienkommunikation aus der Alltagswelt. Die Krankenhausseelsorgerin, die von ihren kleinen Patienten erzählt, dass sie nach LEGO im Himmel fragen. Nicht nur äußerlich erinnert dieses Werk an "das Buch zur documenta X", das gleichfalls ein paralleles Werk neben der Ausstellung war, zudem hat man mit Last Minute ästhetische Anleihen an die documenta gemacht mit den Farben Silber, Schwarz und rot. Inhaltlich setzt das Buch einen anderen Schwerpunkt als die Ausstellung selbst: Trauer und die Arbeit an der Trauer stehen im Vordergrund, das Thema Suizid ist umfasssend dargestellt, psychoanalytische und philosophische Überlegungen gewinnen an Gewicht. Es ist dadurch nachhaltig im besten Sinne des Wortes. Zusammen mit einem Besuch der Ausstellung ergibt sich ein schlüssiges Bild vom Umgang mit Tod und Sterben heute, wenn auch ein idealisiertes, denn die Gewalt hat man etwas vergessen und sich lieber auf ideale Vorstellungen wie den natürlichen Alterstod verlassen. Die täglichen Bilder von Krieg, Verletzung und unfreiwilligem Abschiednehmen - sie bleiben unzugänglich wie die Videocassette des Nachrichtenredakteurs in der Ausstellung, den man auf sein akustisches Statement reduziert hat. Insofern bleiben uns sowohl Buch als auch Ausstellung etwas Wesentliches schuldig: die Hilfe sich ein ein wirkliches Bild vom Tod und Sterben heute zu machen. Für Deutschland müsste ein ähnliches Buch erst noch geschrieben werden. Aber die Schweizer haben's ja vor gemacht. Glückliches Stapferhaus! Ein gutes, wenn auch kein sehr gutes Buch.