Während mich "City of God" nachhaltig beeindruckt hat, konnte mich "Last Stop 174", das ebenfalls im hoffnungslosen Straßenkinder-Milieu von Rio de Janeiro spielt, irgendwie nicht gleichwertig in seinen Bann ziehen. Wie ich recherchieren konnte, basiert der Film auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2000, zumindest was seinen dramatischen Höhepunkt, die Geiselnahme im Bus 174, betrifft. Über diesen Teil soll auch bereits ein Dokumentarfilm (Bus 174) veröffentlich worden sein (leider nur auf Portugiesisch), der allgemein hoch gelobt wurde. Um das dokumentierte Drama herum wurde nun eine (vermutlich größtenteils fiktive) Geschichte gesponnen, die die Entwicklung von Sandro, der eigentlichen Hauptperson des Films, nachzeichnet. Sein Schicksal, das durch Tod und Gewalt - die Ermordung seiner Mutter und einiger seiner Freunde - gekennzeichnet ist, wird verwoben mit dem eines anderen Jugendlichen gleichen Namens (Alessandro), der vom Dealer seiner drogensüchtigen Mutter entführt und von diesem zum skrupellosen Killer herangezogen wurde. Alessandros Mutter, nach Jahren streng gläubig geworden, hat nie aufgehört, nach ihrem Sohn zu suchen, was zu einigen Verwicklungen führt.
Für mein Gefühl trägt die szenische Aufbereitung dieser Stories "drum herum" kaum zur Authentizität und Dynamik der eigentlichen Geschichte bei, sie wirkt oft "gewollt" und konstruiert und führt eher zu mehr Distanz vom "eigentlichen Geschehen". Alessandros Geschichte, die zu Beginn gleichwertig erscheint, verliert sich immer wieder im Verlauf des Films; die erwachsenen Figuren wirken in ihrer Überzeichnung eher plakativ als real. Insgesamt wirkte der Film auf mich mehr wie eine "Nachzeichnung" tatsächlicher und möglicher Ereignisse als wie eine emotional mitreißende Hinführung zum Finale. Jedenfalls hat mich das Anschauen motiviert, mir den zugrunde liegenden Dokumentarfilm anzusehen, der wahrscheinlich den eigentlichen dramatischen Ereignissen gerechter wird.