Was ist neu im 11. Scarpetta Roman?
Cornwell schreibt erstmalig im Präsens und scheut sich nicht vor Indirekter Rede. Und geredet wird viel, lange müssen wir warten, bis sich endlich mal was tut. Was in den letzten beiden Romanen der Reihe nicht berücksichtigt wurde, bzw. nur angedeutet, muss jetzt für dieses neue Buch herhalten. Und so sind wir gezwungen, die Geschichte noch einmal zu lesen - und das ausführlichst - die wir eigentlich schon zu kennen glauben, wenn wir ihre vorhergehenden Bücher gelesen haben.
Was zugegebenermaßen nicht ganz daneben geht, weil Cornwell uns so neue Seiten bzw. Geschichten von Kay, Benton und sogar Anna, ihre ältliche österreichische(!) Freundin und Psychiaterin, entdecken lässt, wofür Sie ihr dann vermutlich dankbar sein werden, wenn Sie die Personen gern haben. Und das sollten Sie schon, wenn Sie vorhaben, sich The Last Precinct zuzulegen. Überlegen Sie, mit diesem 11. Band der Reihe erst anzufangen, dann kann ich Ihnen nur davon abraten. Denn Sie werden sich entweder ärgern oder amüsieren, über so viel unglaubhafte Schlussfolgerungen der stets extrem klugen Protagonistin, über die depressive Stimmung der vermeintlich doch so toughen Heldin und über das Gut vs. Böse - Denken der Autorin. Außerdem würde Sie bald das untrügliche Gefühl beschleichen, dass Sie Background-Infos bräuchten.
Aber wenn die Reihe Ihnen vertraut ist, Sie gar ein Fan von Scarpetta, Lucy und Co. sind, und/oder wissen wollen, wie es nach Black Notice weitergeht, dann sollten Sie The Last Precinct lesen, denn diesmal geht's Kay ordentlich an den Kragen.
Überraschende Wendungen gibt's natürlich wieder, und freilich hängt alles wieder mit allem zusammen. Auch eine klare Sache, dass neben all den Verschwörungen (das mit der Paranoia müssen Sie einfach aushalten, aber als Fan sind Sie das eh schon gewohnt) und homoerotischen Anspielungen, die wir schon seit Band 1 kennen, auch Morde nicht zu kurz kommen, die auch diesmal wieder extrem befremdlich sind. Und wenn Sie, wie ich, auch zu jenen gehören, die sich immer wieder mal fragen, wieso sie eigentlich dieses grausliche Zeug lesen, dann möchte ich Ihnen gerne sagen, worauf ich gekommen bin: Cornwell schafft es immer wieder - ab der 2. Hälfte auch in diesem Band - mich mit ihrem Spannungsaufbau so derart aus meiner eigenen Welt zu holen, dass ich mich, wenn ich fertig bin, immer wieder freue, dass nicht ich es bin, hinter der sämtliche Serienkiller her sind. Vielleicht hätte ich aber auch nur gerne selbst einen Helikopter, oder einen Doktortitel, einen Haufen Geld oder das blendende Aussehen sämtlicher ihrer weiblichen Figuren. :) QQ