Ohne Erwartungen angeschafft erfreut dieser erste Langspieler der (noch) nur regional bekannten Band Cumaleon mit zehn Songs, wie sie mehr Abwechslung nicht bieten könnten!
Nach einem atmosphärisch zum Artwork passenden Wind der durch die verlassene Westernszenerie pfeift geht es direkt brachial mit "Queen Of The Undead" los - einem dreckigen Stück Rock n Roll,
mit eingängiger Melodie und genialem Gitarrenhandwerk - ohnehin sei an dieser Stelle direkt die grandiose Gitarrenarbeit des Herrn Woody Holz gelobt.
Weiter geht's mit dem tempotechnisch etwas reduzierterem aber dennoch mächtigen "Feeling Free" - ein wahrer Befreiungsschlag aus der Angestaubtheit des Hardrock. Cumaleon bedienen sich hier jeglicher Klischees des 80er Jahre Hardrocks, jedoch ohne diese ins Lächerliche zu ziehen - es wirkt eher wie ein Hommage!
Der Titelsong "Last Man Standing" lässt keine Fragen offen, warum oder wieso das Album so heißt wie es heißt - ein genialer Midtempo-Rocker der spätestens im zweiten Refrain Hymnencharakter erhält und wohl auch live die Stimmung zum kochen bringen dürfte! Sänger Kuprat macht hier, wie auch bei allen anderen Songs eine mehr als gute Figur - so rauh und voller Aggression und doch so melodienreich und eingängig klang lange kein Rockfronter mehr.
Der nächste Titel "Losin' Ground" beginnt mit Lagerfeuer-Akustikgitarre und baut sich dann zu einem echten Poprock-Song auf, dessen Refrain einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht.
Ein Zwischenteil der leicht an 70er Jahre Rock á la Bachmann Turner Overdrive erinnert holt den Hörer jedoch schnell zurück in die Welt des Rock'n'Roll und zahlreicher Anspielungen auf dessen Geschichte.
Danach wird es kuschelig - Die herzzereißende Ballade "Life Without" beginnt mit ruhiger Gitarre die Melodien verlauten lässt, die Erinnerungen an "Tears in Heaven" oder "Stairway To Heaven" wach werden lassen - Kuprat gelingt es mehr als gut, seine besungene Verzweiflung authentisch rüberzubringen - ehe jäh das größte Gitarrensolo erklingt, das ich von einer Rockband des neuen Jahrtausends gehört habe: Holz macht einem Slash alle Ehre; es fehlen nur die Hochzeit, die Kapelle und die Wüste.
Nun wird es wieder lauter -"Wellcum (To The Show)" ist ein richtiges Brett - groovend und mächtig kommt der Song genau zur richtigen Zeit (man ist ja eine Hardrockband!) und entreißt den Hörer der Lethargie von Selbstfindung und Verlust der letzten beiden Songs - auch hier zeigt sich im Übrigen die Qualität der für den semiprofessionellen Bereich unglaublich perfektionistische Produktion!
"Cum With Me" ist definitiv das härteste Stück der gesamten Platte - Drummer Matt Bauer darf nun richtig auf die Tube drücken und schafft es, den Song durchgängig interessant zu halten. Live dürfte dieser Song für reichlich Moshpits sorgen!
Kurz vor Schluss kommt dann noch "Badass" um die Ecke und schlägt in eine ähnliche Kerbe wie sein Vorgänger, jedoch ist hier der Bluesrock oder Rock'n'Roll Einfluss mehr als deutlich zu hören. Eine Nummer, die jeder schreiben könnte - doch Cumaleon haben sie geschrieben: und sie funktioniert! Der Bass von Marivn Kuschke grooved wie Sau!
Next Moaning beginnt dann zunächst wieder ruhiger um letztlich wieder im Midtempobereich zu landen - ein Hymnenartiger mehrstimmiger Refrain macht den Song zu einer Art Epos über Freundschaft im Zuge der Zeit, wie es vorher noch keines gab.
Den krönenden Abschluss bildet "Mr. Sheep" der in einem absoluten "Open End"-Inferno endet - wie kaputt können Gitarren klingen? Cumaleon zeigen sich hier trotz des an sich eingängigen Songs experimentierfreudig - und auch dies gelingt ihnen...
Wer also genug hat von den alten Größen und lieber junge, aufstrebende Bands unterstützen will, ehrliche Rockarbeit mit innovativen Ideen bevorzugt und diese Newcomer, die garantiert in ein zwei Jahren zu den Großen gehören werden von ihren Anfängen an miterleben will - dem sei diese Scheibe wärmstens ans Herz gelegt!
Anspieltipps: Last Man Standing, life without, queen of the undead und feeling free!