Nachdem Marilyn Manson bereits etliche Touren hinter sich gebracht hatten und diese allesamt mit Erfolg gekrönt waren, sowohl in kommerzieller Hinsicht, als auch im imagetechnischen, war es nur eine Frage der Zeit, bis man das Live-Können der Band auch auf der heimischen Anlage genießen konnte.
„The Last Tour On Earth" bietet 13 Live-Tracks, die das Songrepertoire vom Debütalbum "Portrait Of An American Family" bis hin zum dato aktuellen Album "Mechanical Animals" umfassen. So sind also sämtliche Hits wie „Sweet Dreams", „The Beautiful People", „The Dope Show" und auch das kultige „Lunchbox" (in einer besonders langen Version) vertreten. Die Setlist lässt somit keine Wünsche offen.
Einige ganz besondere Glanzpunkte auf der Platte sind zusätzlich hervorzuheben. Zum Beispiel findet man eine Akustikversion des ohnehin schönen Tracks „The Last Day On Earth" vor, welcher in meinen Augen den Höhepunkt des Live-Albums darstellt. Wie auch schon „Mechanical Animals" zeigt(e), liegt Mansons Stärke nicht nur in den aggressiven Momenten, auch etwas zartbesaiteter macht er eine gute Figur. Ein weiteres Augenmerk sei auf den Beginn von „I don't like the drugs" gerichtet, wo Manson ausführlich von seinem Traum berichtet, in dem er in einer Welt voller Drogen gefangen war und eine etwas bizarre Begegnung mit Gott beschreibt. Das Publikum ist aus dem Häuschen und kurz darauf erklingen die ersten Töne des Liedes. Eine schöne Einleitung, Mr. Manson. Derartige Momente lassen das Konzertgefühl gleich doppelt so hoch schlagen, denn die Lieder werden nicht einfach hintereinander weg abgespielt. Eine spannungsaufbauende Einleitung ohne Gesang macht den Hörer neugierig, es folgen einige bekannte Tracks, bei „Sweet Dreams" wird (erfreulicherweise) auch auf das Hell Outro nicht verzichtet, was bei vielen Konzerten obligatorisch war, dann kommt irgendwann die über acht Minuten lange Version von „Lunchbox", die einige provokante Worte des Reverend mit sich bringt, bevor das Lied beginnt und außerdem einen besonders langen Teil, der nur aus instrumentaler Begleitung besteht. Und, wie bereits erwähnt, das wundervolle „The Last Day On Earth", welches nur durch eine Akustikgitarre und Mansons rauer Stimme begleitet wird. Provokation und schöne Klänge, eine gelungene Mischung.
Das Schlusslicht bildet letztlich ein neuer Studiotrack mit dem imposanten Titel „Astonishing Panorama Of The Endtimes", welcher leider nicht wirklich zu überzeugen weiß. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass es einfach merkwürdig klingt, nach soviel Live-Raffinesse mit einem im Studio produzierten Track konfrontiert zu werden. Wie dem auch sei, als Ausklang hätte auch die Akustikversion von „The Last Day On Earth" völlig ausgereicht, wenn nicht sogar eher ihren Zweck erfüllt.
Abschließend bleibt festzuhalten, das „The Last Day On Earth" eine brillante Live-Platte geworden ist, die einen perfekten Querschnitt aus den bisherigen Studioalben darstellt. Einzig der letzte Track enttäuscht ein wenig, da er nicht in das Gesamtbild des Albums passt. Menschen, die Manson schon live erlebt haben, werden bis auf wenige Ausnahmen nichts wirklich neues vorfinden, deshalb wahrscheinlich auch der Studiotrack am Ende. Trotz alledem: Marilyn Manson ist eine Band, die auf der Bühne heimisch ist, und dort sind sie eine Klasse für sich. Davon kann sich mit diesem Album jeder überzeugen.
Anspieltipps: "Lunchbox", „I Don't Like The Drugs...", "The Last Day On Earth"