Diesmal sind Domain mal so richtig in die Vollen gegangen. Der epische Unterton der schon auf den letzen Alben immer mitgeschwungen hat, wurde nun nach Vorne produziert. Statt sich nur auf die eigenen Werkzeuge zu verlassen, hat man diesmal ein ganzes Orchester zur Verstärkung gerufen. Lustigerweise fällt das Resultat allerdings etwas weniger kräftig aus als "The Sixth Dimension". Die vielen Intrumente wollen alle einen hörbaren Platz im Mix haben und da müssen selbst die sonst dominierenden Gitarren mal ein bisschen zurücktreten. Glücklicherweise hat Axel Ritt aber verstanden, dass Härte nicht das Produkt einer Kompressoreinstellung ist, sondern auch arrangiert werden kann. Der Song "On Stormy Seas" zeigt eindrucksvoll, wie man mit Dynamik umgehen kann, tja, wenn man es eben kann. Die Bläsersätze schaufeln hier noch die letzten Kohlen ins Feuer. Eine Perle, die auch das progressive Lager überzeugen muss, ohne dabei an Verkopfung zu leiden.
Insgesamt wird wieder das ganze Spektrum, das man von Domain zu erwarten gelernt hat, abgedeckt. Pianoballaden, Uptempo-Power-Metal, progressive Beats und Soli, die typischen Hymnen-Refrains, rollender 6/8 Takt und ein bisschen Tribut an Gary Moore, dem Axel Ritt immer wieder diese Ehre zukommen lässt, obwohl Moore sich selbst schon lange nicht mehr so anhört, wie Ritt ihm gedenkt. Diesmal wird alles jedoch in das Konzept einer Fantasy-Geschichte von Sänger Carsten Schulz eingebunden und das bewirkt, dass der rekativ breite Stilfächer auf "Last Days Of Utopia" mehr aus einem Guss daherkommt, als auf den Vorgängeralben.
Dass die Songs auch live funktionieren werden, kann man auf der zweiten CD hören. Dort sind einige "nicht-epische" Mixe ohne Orchester zu hören. Einige der Songs knallen in diesen Versionen dann genau wie von "Sixth Dimension" gewohnt. (Kompressoren sind vielleicht doch ganz gut?!?:))
Überhaupt der Griff zur limited Edition ist hier eine gute Wahl. Der Extratrack "Head Above The Water" hat nicht nur Alibifunktion, das (komplette) Coverartwork gibt's als Poster, einen Aufkleber des Covers für den eigenen Wanderklampfenkoffer, stilvolles Digipack... ja, darum kauft man Original-CDs! Wenigstens eine Plattenfirma scheint das zu verstehen.
Ja und warum dann nur vier Sterne und keine fünf?
Tja, das ist ganz einfach: In den letzten vier Jahren haben Domain kontinuierlich gezeigt, dass sie es beim nächsten Mal noch besser machen können. Und was für eine Wertung soll ich dann bitte bei der nächsten Scheibe vergeben???