Sicherlich, sollte jemand der einen spektakulären Hollywood-Streifen über das Ableben und die letzten Tage von Kurt Cobain sehen möchte, sich doch andersweitig umgucken. Hier liefert einer der größten Regisseure des 21. Jahrhunderts, Gus van Sant, seine Hommage an Kurt Cobain ab. Dieser Film ist Kunst, daher für die meisten Menschen auch schwer zugänglich, denn der Film zeigt auf verschiedenen Ebenen einen einsamen, zutiefst traurigen Menschen - Blake. Blake ist nicht Kurt und Kurt ist nicht Blake. Blake ist lediglich eine Anlehnung and Kurt. Man erkennt es optisch, die Kleidung, die Haare. Dies ist bewußt so gewählt, denn niemand weiß wirklich wie es im inneren von Kurt Cobain ausgesehen hat. Er hatte es zu lebzeiten stets betont, wie es ihn anwiedert, dass alle Welt versuche ihn zu analysieren, ihm irgendwelche Traumata anzudichten und wer weiß was sonst noch alles. Dieser Film versucht dies nicht. Er erklärt nichts, klärt nichts auf, will nirgends hin. Last Days fühlt sich an wie die Stille nach einem Konzert, wie der Kater an einem Sonntagmorgen. Man ahnt welches lautes Leben Blake geführt hat, man könnte es als die Ruhe vor dem Sturm bezeichnen.
Gus van Sant führt uns durch die letzten Tage in langen Kamerafahrten und sich teilweise wiederholenen Szenen. Keine schnellen Schnitte, keine aufwendigen Musikarrangements. Jede Szene wirkt wie ein kleiner Kurzfilm und jede Musik ist sorgfältig ausgewählt und akribisch eingesetzt. Blake flieht in seine eigene Welt, er versucht den Menschen in seiner Umgebung aus dem Weg zu gehen, versucht unsichtbar zu sein. Die Kamera beobachtet ihn dabei, er wird wie ein Gespent verfolgt - durch den Wald, durch sein Haus und eben seine letzten Tage. Er spricht nicht, und wenn dann nur wenig und das auch nicht verständlich. Das einzige mal wo er wirklich seine Stimme erhebt, ist als er sein Instrument in die Hand nimmt und singt: "it's a long lonely journey from death to birth". Blake war schon tot, bevor er es wirklich, also rein biologisch war.
Es findet kein Gespräch statt, es scheint sinnlos, sie scheitern an ihrer belanglosigkeit. Einzig die Vertreterin seiner Plattenfirma (gespielt von Kim Gordon: Sonic Youth) tritt in einen ernsthaften Dialog mit Blake, der aber genauso schnell wieder schwindet. "You're living a rock'n roll klischee" Der Film endet genauso wie er angefangen hat: still.
Ich möchte hier betonen, dass es sich um einen Film handelt, der meiner Meinung nach, das erste und bis jetzt einzige Mal wirklich eine Verbeugung vor Kurt Cobain darstellt. Seit seinem Tod 1994 wird seine Person, sein Tod und sein angeblicher Mord, in den Medien derart ausgeschlachtet, dass mir schlecht wird. Kurt Cobain hat mehr Respekt verdient und Gus van Sant zollt ihm solchen und deswegen 5 Sterne...