Ich war sehr gespannt auf das neue Buch von Ursula Nuber, was mir "Lass die Kindheit hinter dir - das Leben endlich selbst gestalten" vermitteln wird.
Um es vorweg zu sagen: dieses Buch hat mir sehr viel vermittelt, und ich bin sicher, dass es für viele Leser interessant sein wird, sich auf die Lektüre dieses Buches einzulassen.
Im ersten Teil des Buches vermittelt die Autorin in detaillierten Ausführungen, und viel auch durch Aussagen von Betroffenen, dass vieles, was sich während der Kindheit, in der frühen Phase der Kindheit, geprägt hat, auch im Erwachsenen-Alter immer wieder prägend sein kann. So suchen erwachsene Menschen oft den Grund einer eigenen Reaktion in unmittelbaren Ereignissen, obwohl der eigentliche, tiefergehende Grund oft schon Jahre zurückliegt, eben in der Kindheit. Das ist aber nur eines von vielen Beispielen die in diesem Buch angeboten werden.
Dann, fast aus heiterem Himmel, kommt der - scheinbar - völlige Perspektivwechsel. Auf einmal liest es sich so, als ob frühkindliche Erfahrungen keineswegs das Lebensbild für Erwachsene prägen, schon gar nicht unabänderlich.
Doch schnell klärt sich, dass hier nur scheinbar ein Widerspruch zum ersten Teil des Buches herrscht. Das liegt zum Einen daran, dass an zu dieser komplexen Thematik geradezu selbstverständlich zu unterschiedlichen Auffassungen kommen kann, je nachdem, wo man den Schwerpunkt seiner Arbeit setzt. Zum Anderen zeigt es aber vor allem auch, wie differenziert man an solche Themen herangehen muss. Kindheit ist nicht gleich Kindheit, und die weiteren Lebenserfahrungen sind sehr unterschiedlich. Alles das prägt aber den Charakter, die Einstellung jedes Menschen in allen seinen unterschiedlichen Ausprägungen.
Und, auch auf diesen Blickwinkel geht die Autorin ausführlich ein, jeder Mensch muss vorsichtig mit den eigenen Erinnerungen umgehen. Sie können uns aus unterschiedlichen Gründen sehr wohl einen Streich spielen. Nicht alles was wir aus der Vergangenheit im Gedächtnis behalten haben, ist tatsächlich genau so abgelaufen. Unser Gedächtnis funktioniert nicht so, wie ein Videoband oder eine DVD, wie Frau Nuber sinngemäß anmerkt.
Und, last but not least, zeigt Frau Nuber im letzten Teil des Buches Möglichkeiten auf, dass die kindlichen Erlebnisse nicht unabänderlich fürs ganze Leben bleiben müssen. Und dieser letzte Teil ist eine besondere Stärke des Buches, nicht nur aufzeigen,was sich wie entwickelt hat, sondern eben auch entsprechende Lösungen anbieten.
Mein Dank gilt Frau Nuber für diese sehr bemerkenswerte, engagierte Arbeit, und ich wünsche dem Buch den verdienten Erfolg!