Oh, ein Buch für uns Männer, denkt man, wenn man den Klappentext liest, und auch die baumelnden Boxhandschuhe an jedem Kapitelanfang legen diesen Gedanken nahe.
Aber ist es das auch wirklich?
Manchmal schon, nämlich immer dann, wenn eigene Beobachtungen, Ideen und Erfahrungen des Lesers vom Autor aufgegriffen werden und der 'das-hab-ich-auch-schon-mal-gedacht'-Effekt eintritt. Beispiel: Warum grüßen ausgerechnet von den Lieferfahrzeugen von Großküchen und Metzgereien fröhliche Schweine und laden zum leckeren Festschmaus mit Schnitzel und Buletten ein? Oder wenn der Held des Buches, Tim, über die Ukraine nur weiß, dass sich diese regelmäßig mit Rußland über den Gaspreis streitet, woraufhin die Russen jedesmal das Gas abstellen, bis die Ukrainer zu Kreuze gekrochen kommen: Hat jeder schon mal mitgekriegt, ist irgendwie lustig, wenn der Autor dieselbe Wahrnehmung hat wie man selber.
Alles in allem aber bewegt sich der Roman stark in den Grenzen einer TV-Komödie, ist auch sprachlich extrem einfach gehalten, ein Drehbuch, das vorab als Roman verkauft wird. Genauer: das Drehbuch für einen Film, der sehr gut am Sonntagabend laufen könnte, anstelle von Inga Lindström. Und zwar deshalb, weil die Story insgesamt unglaubwürdig ist.
Ein paar häßliche 'NO-GOs' nämlich in der Welt des Partnerschaftswettbewerbs überspielt der Autor galant. Natürlich fliegt dem Helden Tim erstmal jedes Damen-Leserherz zu (wie erfahren im Buch übrigens, dass es eigentlich gar keine 'Damen' gibt sondern nur 'Frauen' - es geht um Ängsteabbau!), wenn man erfährt, dass er 20 Semester an der Universität eingeschrieben ist (weiss der Autor, dass es Strafgebühren für Bummelstudenten gibt?), und ihm sein Prüfer jetzt dummerweise weggestorben ist. Ganz sicher ist es auch lustig, wenn Tim, der über 80 Seiten Manuskript seiner Magisterarbeit niemals hinausgekommen ist - 150 sind das vorgegebene Maß - , wenn dieser Tim also mitkriegt, dass sich mittels Tastendruck die Drucktype von 12 auf 14 vergrößern lässt und aus 80 Seiten in Sekundenschnelle 120 Seiten werden, und sich mit einem weiteren auf 140 Seiten kommen lässt. Sympathisch, sehr sympathisch sogar.
Doch im wahren Leben, an der Front also, sieht es etwas anders aus. Ein Magistertitel in Philologie ist dort leider nicht allzuviel wert, und Tim hat seiner Angebeteten Sarah zudem absolut keine Zukunftsvisionen anzubieten. Er fährt für Meals-on-Wheels Essen zu den Rentner-Kunden, und zwar ganze zwei Stunden am Tag. Davon lebt er, und das im teuren Hamburg. Familie, die ihn unterstützen könnte, hat er offenbar keine.
Sarah hingegen ist eine richtig schöne Frau, zudem modisch sehr orientiert. Sie trägt kurze Röcke und modische Jäckchen, interessiert und engagiert sich für zeitgenössiche Kunst, woraus man folgern könnte, dass sie vor ihrer Umwelt als attraktiv und erfolgreich dastehen möchte. Und dann so ein Loser wie Tim? Sorry, aber das passt nicht. Sarah wird vermutlich, genau wie Tim, Ende zwanzig sein. Das heißt, absoluter Handlungsbedarf für sie, wenn sie ihre Schönheit noch in ein spannendes Leben ohne Geldsorgen ummünzen will - am einfachsten durch Partnerwechsel, denn Angebote wird sie, so wie der Autor sie beschreibt, jeden Tag genug erhalten, und mal ist ganz sicher auch das/der Richtige dabei.
Dass sich Tim nach der Trennung zeitweise 'neu erfindet' und Dinge wie gezieltes Lügen über das Leben, das er angeblich führt, als erfolgssteigerndes Mittel anwendet, ist dagegen durchaus glaubhaft. Ein Anderer wird er dadurch nicht, auch hier liegt der Autor sicher richtig. Doch auch hier wieder der Haken: Wie kann Tim als Fahrradkurier ausreichend Geld verdienen für seine auf einmal vielfältigen Aktivitäten?
In einer Rezension sollte nicht zuviel verraten werden, nur soviel: Gegen Ende wird kräftig gerosamundepilchert. Trotzdem würde ich das Buch als auch für Männer durchaus lesenswert einstufen, man muss sich halt mal locker machen können, dann ist es an vielen Stellen spaßig. Die Hauptzielgruppe ist aber, wie auch die beiden ersten Rezensionen da oben zeigen, die Damenwelt. Wer hingegen wissen möchte, wie Männer wirklich ticken, und sich dabei noch amüsieren will, sollte mal Rocko Schamoni hernehmen, die 'Sternstunden' sind einfach genial.