Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, das ich Brühls Erstling "Henningstadt" richtig gut fand.
Die Beschreibung einer Freundschaft über mehrere Jahre hinweg, hätte mich sehr interessiert.
"Hätte", wenn die Charaktere nicht von Seite zu Seite unsympathischer geworden wären. Außerdem ist das was Brühl hier wohl als sprachlich "modern" und ausggefallen verkaufen möchte oft einfach nur peinlich.
"An dieser Stelle denkt Lars etwas, an das er sich später nicht erinnern kann, obwohl es ihm gut tun würde. Da diese Gedanken, weil er sie vergisst, keinen Einfluss auf seinen Charakter haben werden, (...), notiere ich sie nicht"
oder
"Für dich, lieber Leser, ist das eine Gelegenheit zu entscheiden: wenn du eine ungerade Zahl würfelst, gehen die beiden die Schönhauser herunter ..."
Manchmal scheint es, als könne er sich nicht zwischen Kunst und Kommerz entscheiden. Dabei kommt dann leider kein interessantes Konglomerat heraus, sondern ein unentschlossenes Irgendwas. Und das lässt einen kalt.
Der beschriebene Selbstmordversuch einer Nebenperson, bringt einen dazu, dass man das Fehlschlagen bedauert. Die sexuellen Eskapaden taugen nicht zur "Ein-Hand-Literatur", wirken in einem Buch, in dem es angeblich um Freundschaft gehen soll aber völlig deplatziert. Und das unausweichliche Happy-End, bei dem die Freunde schließlich doch zu Partnern werden, lässt man(n) dann augenrollend über sich ergehen - wenigstens ist das Buch zu Ende.
Immerhin war es nicht so schlecht, dass man die 140 Seiten unvollendet in die Ecke wirft. Dafür gibt es dann auch den 1 Stern.
"Henningstadt" wird in meinem Bücherregal wohnen bleiben dürfen, "Lars" wird verkauft.