Aus meiner Sicht ist dieser Film keineswegs antiamerikanisch. Es handelt sich vielmehr um einen engagierten Beitrag gegen die verlogene Doppelmoral, die weltweit in den Medien herrscht, dass man jede Art von Gewalt (real oder fiktiv) auf Titelseiten, in Schlagzeilen, Nachrichtensendungen, TV- und Kinofilmen jederzeit zeigen darf, sexuelle Handlungen hingegen nicht. Larry Flynt sagt und zeigt in einer von ihm nach seiner ersten Verhaftung inszenierten Vortragsveranstaltung mit sehr drastischen Bildern unterlegt das Folgende: "Mord ist illegal. Wenn Du aber Menschen beim morden zeigst, bekommst Du den Pulitzerpreis oder den Oscar. Sex (zwischen zwei freien erwachsenen Menschen) ist legal. Wenn Du aber Menschen beim Sex zeigst, wirst Du dafür angezeigt und kommst ins Gefängnis. Illustriert von abwechselnden Akt- und Kriegsfotos stellt Flynt die Frage, was uns mehr schädigt: Die ständigen Bilder von Gewalt, Grausamkeit und Verstümmelung oder Bilder des Aktes zwischen zwei Menschen, wie Gott sie schuf ... wenn ich mir die immer weiter eskalierende Gewalt und die mit immer absurderen Argumenten unterdrückte Sexualität vergleichend anschaue, beantwortet sich für mich diese Frage von selbst.
Flynt und seine Frau Althea (beeindruckend verkörpert von Woody Harrelson und Courtney Love) sind bzw. waren sicher schwierige Menschen, die mit vielen Dingen in sich selbst Probleme hatten. Allerdings dringt etwas immer wieder durch: Der Wunsch, bedingungslos zu leben, für sich und seine Art zu leben und zu denken einzustehen, selbst wenn einen Religion und gesellschaftliches Establishment dafür an den Pranger stellen. Die dritte wichtige Person in diesem Film ist Flynts Anwalt Isaacman (ebenfalls brillant von Ed Norton dargestellt), der ihn über Jahrzehnte vor Gericht vertreten und mit ihm sogar bis vors höchste Bundesgericht gezogen ist und dort in beeindruckender Weise einen Sieg gegen Zensurbestrebungen moralisch erzkonservativer Kreise gewinnen konnte.
Auch wenn die Biographien des Ehepaars Flynt durchaus auch tragische Züge haben, strahlt dieser Film so viel Vitalität aus, soviel Zivilcourage, soviel sich nicht den Mund von irgendwelchen Moralaposteln verbieten lassen, dass es für mich eine große Inspiration war, diesen Film gesehen zu haben. Für Form und Inhalt jeweils vorbehaltlos 5 Sterne.