Ja, eine Pflichtlektuere fuer Manager, fuer Menschen die Menschen fuehren, vor allem aber fuer Veraenderungsmanager, sollte dieses Buch sein. Teil 2 einer "Trilogie" von W. Schwanfelder, neben seinen Buechern "Sun Tzu fuer Manager" und "Konfuzius im Management", in dem er sich mit den Lehren von Laotse und seiner Relevanz fuer das Management von Heute (vor allem in Europa) auseinandersetzt.
Der Autor ist dabei sehr gruendlich und nicht nur oberflaechlich und fuehrt den Leser sehr gut anhand von Originalzitaten aus dem Tao Te King in die Philosophie Laotse's ein. Es bleibt aber nicht bei dieser philosophischen Einfuehrung, sondern Schwanfelder zeigt immer wieder die Relevanz dieser Lehren vor allem auch fuer das Management in Europa und Deutschland anhand zahlreicher Referenzen und statistischer Daten. Man spuert, dass der Autor weiss wovon er schreibt, nimmt er doch Bezug auf viele eigene Managementerfahrungen in Europa und China.
Wie in den anderen beiden Baenden auch, sind die Aussagen des Buches eingebettet in eine Handlung in der der Autor durch einen chinesischen Freund, Direktor einer Fahrradfabrik, Laotses Denkweise anschaulich erklaert bekommt. - Und dabei auch nicht verschweigt wie schwer zugaenglich uns Europaeern diese Denkweise oft ist.
Dabei geht es in zehn Kapiteln um zentrale Tugenden guten Managements im Sinne von Laotse, wie dem sich Stellen der (immer waehrenden) Veraenderung, der (hilfreichen) Gelassenheit, dem Fuehren durch Vertrauen und Vorbild, dem Umgang mit Macht und vor allem um die Tugend der Bescheidenheit fuer Manager oder dem Hinterfragen von Zielen, vor allem von Wachstumszielen. Aus dem zentralen Begriff des "WU WEI", des "NICHT-HANDELNS" entwickelt er vor allem den Anspruch des Denkens ueber die Folgen des Handelns - etwas, das Anhaenger einer so beliebt gewordenen MACHER Management (un-)Kultur vielleicht nicht so gerne lesen werden. Auch fuer Anhaenger einer sehr zentralen Fuehrung bietet die Lehre Laotse's in seiner Interpretation durch Schwanfelder vielleicht eine Anleitung zum Ueberdenken der Effektivitaet zentraler versus dezentraler/selbstorganisierter Fuehrung.
Ich kann das Buch nur allen empfehlen die lernen oder aber ihr handeln reflektieren wollen. Etwas Zeit sollte man dafuer aber investieren.
Uebrigens: Da ich ueber Buecher nicht nur gerne schreibe sondern auch mit Freunden darueber rede, war es eine der erstaunlichsten Begegnungen die ich je hatte, als sich bei einem Gespraech ueber das Buch mit einem chinesischen Freund in China herausstellte, dass ER der beschriebene Direktor der Fahrradfabrik war. Und beim Schreiben dieser Rezension fiel mir auf, dass es die erste zu diesem Buch ist. Wohl erst recht ein Indikator dafuer, dass Manager unter Zeitdruck leiden und dieses Buch vielleicht zu wenig gelesen wird.