Der Ansatz des Essays ist nicht neu. In Zeiten der allumfassenden Hektik, die selbst beschauliche Momente wie Weihnachten nicht verschont, ist der Ruf nach Gelassenheit verständlich und er mag in Einzelfällen auch dazu führen, das Leben auf die Ruhe eines Atemzugs zurück zu führen. Ilma Rakusa, die sich in etwa so ein Leben auf einem Zürcher Berg einrichten konnte, hat treffsicher in der Literatur nach Hektik und Entlastung gesucht, ich habe den Band mit Genuss gelesen. Allerdings sind vereinzelte Ansätze der Autorin ebenso hoffnungslos wie romantisch (was dasselbe sein kann). Der Postbote, der nur einen halben Tag arbeitet, um am Nachmittag russische Gedichte zu übersetzen wird nie eine Familie ernähren können und der Bauer, der schottische Hochlandrinder züchtet und damit eine Nische gefunden hat, die nur wenige bezahlen können, ist einfach nicht mehrheitsfähig, volkswirtschaftlich im Niemandsland. Was mir daher an dem Buch nicht gefallen, ist der allumfassende Ton, wie wenn dieser Ansatz der Beschaulichkeit für alle und jeden Geltung beanspruchen könnte. Das ist meines Erachtens falsch, denn einmal von den volkswirtschaftlichen Grössen abgesehen, ist der erste Schritt zur Änderung die Einsicht und die Einsichtsfähigkeit ist eng mit der Fähigkeit sich zu reflektieren verbunden. Und damit sind wir bei der Bildung angelangt. Spätestens seit der PISA-Studie wissen wir, dass es enorme Unterschiede gibt und die Zeichen für eine Verbesserung nicht überall gut sind.