Nora und Pierre lernen sich während ihres Studiums in Göttingen kennen und lieben. Sie heiraten,etablieren sich in ihren Berufen, er als Physiker, sie als Kunsthistorikerin und erleben die Höhen und Tiefen eines Ehealtags. Als sie sich entschließen ein Kind in die Welt zu setzten und dies auch nach etlichen Versuchen nicht klappt, läßt Nora sich untersuchen und bittet auch Pierre dieses zu tun. Dabei erfährt sie von Pierre, dass er schon eine Tochter hat, die durch einen One Night Stand enstanden ist. "Nichts von Bedeutung", doch für Nora bricht eine Welt zusammen,wegen dem Vertrauensbruch, den Pierre an ihr begangen hat. Sie trennt sich von ihm,um über eine weitere Zukunft mit ihm nachzudenken. Einen Tag nachdem sie zu ihm zurückgekehrt ist, verünglückt Pierre mit dem Auto schwer und fällt in ein tiefes Koma. Von nun an ist nichts mehr so wie es war.
Irina Korschunow hat eine sehr emotionale Geschichte über ein Paar geschrieben, das vom Schicksal hart getroffen wird. Nach Pierres Unfall verbringt Nora Stunden und Tage an Pierres Bett, immer in der Hoffnung, dass das Unabänderliche nicht zur Wahrheit wird, dass Pierre nie mehr der Mensch sein wird, der er einmal war. Sie negiert die Realität, weil es zu grausam wäre sich den Wahrheiten zu stellen. Erst nach und nach lernt sie mit dem neuen Leben zurechtzukommen, das von der Hoffnung genährt wird, dass doch alles wieder wird wie einst.Am Krankenbett läßt sie das Leben mit Pierre Revue passieren und gibt sich sogar selbst eine Mitschuld am Geschehenen.
Als der Arzt ihr dann mitteilt, dass Pierre als austherapiert entlassen wird und ihr den Vorschlag macht, ihn in ein Pflegeheim zu geben, weist Nora dieses weit von sich, denn sie will Pierre selbst pflegen, ohne sich vorstellen zu können, was das für ihr Leben bedeutet, doch ihr Pflichtbewußsein Pierre gegenüber, lässt sie diese Antwort geben. Gott sei dank findet sie eine Lösung, die für alle Beteiligten annehmbar ist, doch ein schlechtes Gewissen bleibt immer.
Nicht nur die ausgesprochen schöne Sprache dieses Buches zeichnet diesen Roman aus, sondern auch das sensible Einfühlen in Menschen ,die in dieser Situation leben.In ihr Denken und Fühlen ,angesichts dieses belastenden Schicksals. Man könnte meinen, Frau Korschunow hätte ähnliches erlebt, so überzeugend schildert sie solch eine Situation. Das Durchleben der einzelnen Phasen eines solchen traumatischen Erlebnisses werden anschaulich,treffend und realistisch beschrieben.
Irina Korschunows Buch wird mir in Erinnerung bleiben als ein ausgesprochen sensibles, sprachlich brilliantes Buch, das eine Geschichte aufzeigt, wie sie jedem jeden Tag passieren kann.