Das Negative zuerst: In einen zarten Weichplastikeinband gebunden und (für ein Wörterbuch eine Todsünde!) ohne Fadenheftung, ist dieses Wörterbuch für die Schülerhand völlig ungeeignet und dürfte auch bei sorgfältiger Benutzung kein Jahr überstehen. In diesem Aspekt bietet Langenscheidt ein wirklich minderwertiges Produkt an. Weitaus besser beraten ist, wer sich aus Rußland die inhaltlich identische, stabil fest gebundene und fadengeheftete Lizenzausgabe, überdies zu einem Drittel des Preises, mitbringen läßt.
Positiv ist der blitzsaubere zweifarbige Druck auf gutem Papier. Die gebotene Lexik bietet alle Bereiche vom Hohen Stil bis zur Umgangssprache und dem "Mat", der Gossensprache, ab; mit dem Wörterbuch ist die Lektüre eigentlich jeden Textes, ob klassische oder moderene Literatur, ob journalistische oder Gebrauchstexte, gut möglich.
Von Perfektion ist das Wörterbuch jedoch weit entfernt, eine Überarbeitung würde ihm gut zu Gesichte stehen. Unverständlich z.B., wieso "Rieselfeld" geboten, daneben die verbreitete Wendung "sich am Riemen reißen" jedoch unterschlagen wird. Wer "trachatj" nur mit "knallen, krachen" übersetzt, befindet sich bei Tschechow, jedoch nicht im 21. Jahrhundert. "Ich werde dir Beine machen" wird mit "ya tebya nauchu povorachivatsya" übersetzt - eine Wendung, die sich beim Klassiker Saltykow findet, ansonsten aber völlig in der Mottenkiste verschwunden ist. "Tablo" heißt zwar Anzeigetafel, die gebräuchliche Verwendung als "Visage" fehlt jedoch. "Goluboj", schwul, zart verhüllt als "fig. rosarot" zu übersetzen ist doch etwas zu subtil. So geht es munter weiter...
Dieses Wörterbuch ist in seiner Klasse das wohl beste in Deutschland greifbare, ist nicht schlecht, könnte eine Überarbeitung jedoch gebrauchen. Für den Einband jedoch sollte man Langenscheidt vom Hofe prügeln.