Eins gleich vorneweg: Der Pons - in dieser Ausgabe - ist das zur Zeit beste Schulwörterbuch Latein auf dem Markt.
Kleinere Wörterbücher sind nur eingeschränkt zu empfehlen, da hier relativ schnell die Lücken - sprich Anzahl der Lemmata - ersichtlich werden.
Bleiben also der Pons, der Langenscheidt, der Stowasser.
Der Stowasser als lange Zeit unangetasteter Marktführer hat seine besten Zeiten hinter sich. Warum er trotz grausiger Übersichtlichkeit, absoluter Benutzerunfreundlichkeit und für Wörterbuchbeginner (d.i. Lateinschüler, die sich erst einmal überhaupt in einem Wörterbuch zurechtfinden sollen!) immer noch von so vielen Lehrenden empfohlen wird, wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben.
Er hat zwei gravierende Nachteile:
Der "StoWi" bietet absolut keine farblichen Kontraste. Dies ist für einen Schüler heutzutage gänzlich unzumutbar - wie soll er sich in einem Wörterbuch zurechtfinden, das in Aufbau und Aufmachung so fundamental den gängigen Lehrwerken widerspricht? Moderne Lehrwerke wie Actio, die Neuauflagen von Iter Romanum, Felix etc. bestechen durch große Übersichtlichkeit, sinnvolle Farbgebung - und vor allem fand in all den Jahren vor der Lektürephase, d.h. ein Gewöhnungsprozess statt, und mit einmal sollen die Schüler gleich zweifach ins "kalte Wasser" geworfen werden? Die Schülerausgaben lateinischer Originaltexte - e. g. ratio - bedenken dies, sodass sich die Lernenden ohne größere Mühe an diese gewöhnen können. Sie sind gut in puncto Übersichtlichkeit, Stringenz und Kohärenz mit den vorbereitenden Lehrwerken. Der Stowasser hingegen bietet den Schülern nichts davon - er bietet lediglich Probleme beim Finden von Wörtern (da lat. Begriffe kaum abgesetzt sind) und vor allem beim Auffinden der korrekten Wortbedeutung. Ein lateinisches Wort kann gut und gerne 10, 15, 20 Bedeutungsrichtungen umfassen, doch die richtige ist einem Schüler ohne ordentliche Aufmachung und Struktur der Artikel kaum aufzufinden, schon gar nicht in angemessener Zeit.
Der letzte Kritikpunkt betrifft die Anzahl der Stichwörter - nach Verlagsangaben finden sich hier nur 30.000 (!) Stichwörter.
Einzig positiv ist der Einband, aber wie heißt es doch so schön: "Don't judge a book by its cover."
Der Stowasser ist uneingeschränkt nicht empfehlenswert.
Sieht man die Schwächen des Pons, so ist der Unterschied zwischen Langenscheidt und Pons marginal.
Kurz aufzuführen sind nur die (kleineren) Vorteile des Pons gegenüber der Konkurrenzausgabe (L. Großes Lateinwörterbuch):
Der Pons besticht durch noch größere Übersichtlichkeit und etwas größere Länge der Artikel. Darüber hinaus finden sich im Pons noch einmal 10.000 Lemmata mehr (90.000 - 80.000). Eine weitere große Stärke des Pons ist das Eigennamenverzeichnis am Ende(!), in dem die wichtigsten Namen aufgeführt sind. Dies erleichtert das Auffinden von kurzen Infos über im Text genannte Personen, da man im Langenscheidt ersehen kann, wie lange es wohl dauert, bis man in einem Wörterbuch selbst einen gewissen Eigennamen gefunden hat, davon abgesehen, dass die Informationen dort eher dürftig sind.
Der Vorteil des Langenscheidt ist aber der etwas günstigere Preis - Doch die 1,90¤ sollten die Entscheidung nicht ausmachen.
Im Großen und Ganzen ist der Langenscheidt nah dran am Pons, erreicht ihn nur nicht ganz, da er einige wenige Schwachstellen hat, die so in der von mit favorisierten Ponsversion nicht vorhanden sind.
PS: Eine Bemerkung zum Ende: Es ist in Wörterbüchern üblich, die Verben in der 1. Sg. Ind. Pr. Akt. aufzuführen, ebenso wie Substantive im Nom. Sg. genannt werden. Denjenigen, die die Umstellung im Vergleich zum Lehrbuch monieren oder dies gar als Kritikpunkt für die Qualität eines Wörterbuches nennen, bleibt zu sagen, dass das Problem eher darin liegt, dass lateinische Lehrwerke (im Unterschied zu griechischen) Verben immer noch im Infinitiv lehren - warum, ist auch mir ein Rätsel.