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Lange Tage
 
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Lange Tage [Taschenbuch]

Maike Wetzel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 189 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (September 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596160200
  • ISBN-13: 978-3596160204
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 793.128 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Maike Wetzel
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es gibt Autoren, die eignen sich gut zur Vermarktung, und solche, die der Literaturbetrieb links liegen lässt. Zurzeit haben junge, gut aussehende Autorinnen Konjunktur. Aber ob alt oder jung, schön oder unscheinbar: Am Ende des Tages ist immer noch entscheidend ob eine(r) schreiben kann. Maike Wetzel kann schreiben. Und hat das auch schon eine ganze Weile geübt.

Mit 16 schrieb sie ihre erste Kurzgeschichte und gewann den Wettbewerb "Schüler schreiben" des Landes Hessen, mit 23 erhielt sie den Literaturpreis der Frauenzeitschrift Brigitte, zwei Jahre später den der Allegra. Maike Wetzel deshalb aber nun in die Mädchen-Ecke zu stellen, wäre Blödsinn -- ja recht eigentlich: eine Unverschämtheit.

Ihre Geschichten seien "auf Papier gebrachte Kurzfilme", schrieb ein Kritiker anlässlich von Wetzels Debüt Hochzeiten. Und auch im Nachfolge-Band Lange Tage gelingt es der Autorin und Filmemacherin, mit wenigen Strichen eine Atmosphäre aufzubauen, eine ganze kleine Welt zu skizzieren -- die der deutschen Provinz. Dabei zeigt Wetzel, wie (literarisch) aufregend es sein kann, wenn nichts passiert. Genauer gesagt: wenn das Nicht-Aufregende für einen Moment durchbrochen wird.

In der ersten Geschichte, "Zeugen", erzählt ein Mädchen ihrem Freund, wie sie Zeugin eines Autounfalls wurde. Aber der Freund ahnt, dass es nicht irgendein Autounfall war. "Du lügst doch", sagt er -- und öffnet den Kühlschrank. "Er wusste genau, was dort lag. Schinken, Tomatenmark, Porreestangen. Er hätte den Kühlschrank nicht zu öffnen brauchen. Er wollte mich nur nicht ansehen. Ich sagte, gut, ich erzähle dir die ganze Geschichte."

Doch im Gegensatz zu den meisten Kurzfilmen haben Wetzels Geschichten selten eine Pointe. Ja eigentlich haben sie weder Anfang noch Ende. Sie kommen von irgendwoher und verlaufen irgendwo im Sande. Kaum denkt der Leser, vielleicht den Wendepunkt verpasst zu haben, ist die Geschichte schon wieder vorbei. Wendepunkte gibt es in der Literaturtheorie, das Leben ist viel banaler. Ein Mädchen hört auf zu essen, ein anderes Mädchen hat eine Abtreibung, ein drittes Mädchen bricht die Schauspielschule ab. Aber das Leben der anderen geht weiter. Und irgendwann sind alle erwachsen.

Viele kleine schöne Sätze bleiben im Gedächtnis haften. Über die Unmöglichkeit der Liebe ("Sie fand es schwierig genug, eine Person zusammenzuhalten. Wie sollte das mit zweien gelingen?") Und ihre undurchschaubar einfachen Regeln: "Im Widerschein ihrer Wünsche verwandelten sie sich selbst in die viel versprechenden Wesen ihrer Briefe, voller Rätsel und Geheimnisse. Sie waren ihre eigenen Engel. Die Frau sagte: ich liebe dich. Der Mann sagte, ich auch. Zwei Tage später wussten sie mehr." Wer Judith Hermann mag, wird Maike Wetzel lieben. --Axel Henrici

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 24.09.2003
Susanne Messmer ist begeistert: Es gibt auch eine andere Provinz als die langweilige, öde, der man so schnell es geht den Rücken kehren sollte. Die Provinz, in der Maike Wetzels Protagonisten ihre Geschichten erleben, sei "wild und aufregend". Aber nicht etwa des Tempos oder der sich überschlagenden Ereignisse wegen. Nein, Wetzels Erzählungen aus der deutschen Provinz sind "entschleunigt und reizunterflutet", lobt die Rezensentin. In "trockenen, manchmal flapsigen, manchmal lakonischen Sätzen" schreibe sie ihre Geschichten, in denen nicht viel, aber dafür Drastisches passiere. Wie die Geschichte der Familie, die sich komplett in ihrem Haus verbarrikadiert, damit die Nachbarn nicht immer Hilfe zur Besserung des Zustands der verstummten Tochter anbieten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003
Als "offensive Ferienlektüre" bezeichnet etwas lästerlich Rezensent Oliver Jungen diesen Ezählungsband von Maike Wetzel. Manchmal fühlte er sich dabei an Judith Herrmann erinnert. Doch findet der Rezensent Wetzels reduzierten Schreibstil sprachlich konsequenter: hier gibt es nur noch "syntaktische Nuklide nach dem SPO-Prinzip". Einziger Fixpunkt bei all den kleinen und kleinsten Begebenheiten, von denen der Rezensent diese Erzählungen handeln sieht, bleibt in seinen Augen "das gelangweilte Ich". Gelegentlich wird einer Erzählung eine gewisse narrative Raffinesse bescheinigt: dann sorgt ein "ganzes Arsenal an Achtziger-Jahre-Brimborium" für das treffende "Generation-Minigolf"-Ambiente, freut er sich. Irgendwie scheint Oliver Jungen als Privatperson die Erzählungen eigentlich sogar ganz schön zu finden. Bloß der Literaturkritiker in ihm rümpft ständig die Nase. Doch schließlich kapituliert er: "Ernstgemeinte Kurzweil, leicht bekömmlich, gut gemacht. Und das ist, Fräulein hin, Wunder her, ein willkommenes Vergnügen."

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von panja
Format:Taschenbuch
In Maike Wetzels Erzählungen geht es um alltägliche, zwischenmenschliche Beziehungen, die zumeist scheitern. Ihre Figuren sind nicht oder nur kaum fähig deutlich zu machen, was sie denken und wollen – wenn es ihnen überhaupt gelingt eine Atmosphäre zu schaffen, in der miteinander Reden möglich ist. Die Menschen aus ihren Geschichten, die sich fast alle zwischen Kindesalter und Mitte dreißig bewegen, werden häufig nicht verstanden, verstehen nicht oder werden übersehen.

Da ist ein Mädchen von zwölf Jahren, deren Leben stark durch die Magersucht ihrer älteren Schwester geprägt ist. Die Eltern legen alle Aufmerksamkeit auf die Schwester. Sie gehen zu Therapeuten, die Mutter kocht Essen, das ihr nicht schmeckt, damit die Schwester wenigstens ein bisschen isst, die Eltern sorgen sich, verzweifeln, resignieren, streiten, sprechen kaum mehr. Auch die Protagonistin denkt viel über ihre Schwester nach, ist aber noch weniger fähig sie auf ihre Krankheit anzusprechen als die Eltern. Sie wird übersehen, verhält sich zu Hause still und flüchtet so oft wie möglich. Plötzlich beginnt die Schwester wieder zu essen. Heimlich nur, aber sie isst. Die Eltern wagen kaum erleichtert zu sein. Sie schweigen immer noch. Jetzt aus Angst, dass ein Wort die Schwester wieder zum Hungern bringen könnte. Die Schwester isst wieder und die Lebensbedrohung scheint gebannt, aber an der Situation der Familie, dem ewigen Schweigen, hat sich nichts verändert.

Das Schweigen ist eines von Maike Wetzels großen Themen. Dadurch, dass sie schreibt, was ihre Charaktere sagen, wird deutlich, was sie nicht sagen – und das ist sicherlich auch das wichtigere. Das, das deutlich macht, was diese Menschen versäumen, das die Frage aufwirft, was wir verpassen, wo wir zu viel schweigen und weggucken. Wo uns Angst und Unsicherheit lähmen, wo Unachtsamkeiten oder scheinbar harmlose „Klein-Boshaftigkeiten“ verheerende Folgen nach sich ziehen.

Maike Wetzel, die an der Münchener Filmhochschule studierte und bereits einige Drehbücher geschrieben hat, baut in wenigen Sätzen eine dichte, bildgeprägte Atmosphäre auf. Diese Atmosphäre ermöglicht es ihr mehr zu zeigen als zu erzählen. Die Personen leben ihren Alltag, Lesende beobachten sie und finden vielleicht einen Spiegel ihrer selbst. Maike Wetzel wertet nicht das Verhalten ihrer Figuren. Das hat sie auch gar nicht nötig, denn sie beleuchtet die Situationen so, dass Lesende unweigerlich von selbst reflektieren und eigene Schlüsse ziehen.

Eine junge Frau erzählt ihrem Freund, wie sie vor Jahren einen Autounfall beobachtete. Obwohl sie an dem Unfall scheinbar nicht beteiligt ist, fühlt sie sich schuldig. Sie vermutet, dass Arslan, mit dem sie Monate vorher „gespielt“ hatte, absichtlich gegen den Baum gefahren ist. Aus Verzweiflung, weil seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat. Sie ist geplagt von Gewissensbissen und versucht gleichzeitig ihre Unschuld zu erklären. Anscheinend ist es erst Arslans tragischer Tod, der die Ich-Erzählerin dazu bringt an ihrem Verhalten zu zweifeln.

In der Erzählung „Arme Ritter“ zieht ein junges Zwillingspaar in eine Stadt. Sie sollen bei ihrer Tante bleiben, bis sie eine Wohnung gefunden haben. In der Wir-Perspektive erzählt die Autorin, wie die Schwestern, die für andere immer schon nicht zu unterscheiden waren und somit austauschbar sind oder als ein Wir wahrgenommen werden, nach und nach Gudruns Wohnung nach ihrem Geschmack umgestalten und sie schließlich aussperren. Diese ist schüchtern, irritiert und bemüht sich zaghaft um Vermittlungsversuche – jedoch ohne dabei eindeutig zu fordern. Die Zwillingsschwestern kümmert Gudrun nicht. Mit einer gelangweilten Gleichgültigkeit und ohne jegliches Schuldbewusstsein, fast schon über die nachgiebige Gudrun belustigt, erzählen sie, wie sie sie aus ihrer Wohnung jagten, als handele es sich um einen harmlosen Jugendstreich.

Diese Erzählung mag skurril sein, ist jedoch nicht völlig unmöglich. Und das ist das Erschreckende, das bleibt wenn der letzte Satz „Wir wollen nicht wirklich wissen, wie es ihr geht. Uns geht es gut.“ gelesen ist: etwas in uns schreit „Das kann doch nicht sein! So viel Egoismus. Und dann die eigene Tante.“. Aber dieser letzte Satz, wenn wir ehrlich sind, dann begleitet er uns doch leise, so weit wie möglich im Hinterkopf, durch den Tag.

Es sind die kleinen, scheinbar harmlosen Sätze, die uns dann alle zusammen doch das eigene Handeln hinterfragen lassen. Es sind die alltäglichen Menschen aus den Erzählungen, die uns so nahe gehen, die wir so gut verstehen können, weil es uns häufig ähnlich geht. Aber dann stellen sich unsere Identifikationsfiguren plötzlich als Spiegel in den Weg und zeigen gnadenlos auf die schwarzen Stellen unseres Verhaltens. Die, die wir lieber nicht sehen wollen, weil es uns gut geht. Sie zeigen das ganze Schweigen und die Einsamkeit, das nebeneinander herleben und die Ignoranz. Die FAZ hat Recht, wenn sie schreibt „Maike Wetzels Sätze sind wie kleine Widerhaken: Irgendwann sind es so viele, dass sich jede Welt damit aus den Angeln heben lässt.“ Irgendwann haben wir so viele kleine, widerborstige Sätze gelesen, dass wir und doch fragen müssen, was hinter unserem „Uns geht es gut.“ steht.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
„Lange Tage" handelt von dem - und das ist hier vollkommen wertungsfrei zu verstehen - Unvermögen, mit Situationen umzugehen, wodurch die zu Problemen werden. Maike Wetzel setzt dies insbesondere durch ihre klare, fast nüchterne Sprache um. Sie wertet nicht, sie schildert - was durch die Ich-Erzähler-Perspektive um so bizarrer wird: Als bemühe sich ein Betroffener in seinem Bericht bewusst um Sachlichkeit, wird auch hier erst und fast ausschließlich zwischen den Zeilen spürbar, was für die Figuren entscheidend ist.
Dieses Nicht-Aussprechen setzt sich in der Handlung fort: Die Personen wirken auf bloße Aktion und Reaktion beschränkt, nicht in der Lage, über ihren Schatten zu springen geschweige denn, die Notwendigkeit dessen überhaupt zu erkennen. Der Leser muss seine eigenen Rückschlüsse auf die Menschen und Situationen ziehen, denn Maike Wetzel schildert nur die Handlungen als Symptom von zunächst unklar bleibenden Charakteren und Motiven. Dass die Erzählungen trotzdem funktionieren, ist ihrer sprachlichen und dramaturgischen Präzision zu verdanken - mit der Folge, dass gerade dadurch der Leser stärker zur Auseinandersetzung mit den geschilderten Situationen aufgefordert ist.
Die neun Erzählungen in dem Band sind daher zuerst Momentaufnahmen von nicht ungewöhnlichen, wenn auch nicht alltäglichen Situationen - man blendet sich für einen kurzen Augenblick in die Gedanken der Figur ein, erhält insbesondere zwischen den Zeilen eine Unmenge an Informationen, wird mit dem Ende der Erzählung wieder aus den Figuren hinausgeworfen und bleibt mit einer Fülle von Eindrücken zurück - in dem sicheren Wissen, eigentlich nur wenig erfahren zu haben, und dem Gefühl, das man noch so viel mehr erfahren könnte. Dieser Effekt ist es, der die Erzählungen beim Leser noch lange nachhallen lässt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Lange Tage" ist der neue Erzählband der schon mit "Hochzeiten" bekannt gewordenen jungen Autorin Maike Wetzel.
Ihre Geschichten handeln von jungen Menschen, die sich in - psychologisch betrachtet - extremen Situationen befinden und von ihrer Art damit umzugehen. Teilweise resultieren ihre Probleme aus unverschuldeten Unglücksfällen, meistens jedoch aus dem Unvermögen, seine eigene Identität zu finden oder zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen.

Die kurzen Sätze prasseln wie ein unbarmherziges Stakkato auf den Leser ein; wie kleine Häkchen, die sich im Gehirn festsetzen, so dass man an diesen Stellen noch lange nach dem Lesen die Nachwirkungen wie ein Gefühl von nachlassendem Druck zu spüren glaubt. Dadurch erhalten die Geschichten eine unglaubliche Dichte und Intensität, was sie über eine reine Zustandsbeschreibung hinaushebt. Aus den Sätzen werden Stimmungen und Atmossphäre gebaut, ohne dabei konkret zu nennen oder zu werten, bekommt der Leser ein Gefühl davon, das aus sich selbst heraus zu resultieren scheint.

Im Vergleich zu ihrem Debüt "Hochzeiten" sind die Erzählungen "Lange Tage" in ihrer Erzählstruktur wesentlich gefestigter. Man hat nicht mehr den Eindruck, die Autorin habe das Bedürfnis zu beweisen, dass sie diejenige ist, die den Faden der Geschichte in der Hand hält. Anfang und Ende der Erzählungen sind nicht mehr völlig offen, man hat einen abgeschlossenen Handlungszusammenhang. Dadurch erhalten die Charaktere mehr Tiefe, da sie nicht mehr einfach in den Raum gestellt werden und sich dann in der Luft schwebend behaupten müssen. Damit werden auch die Geschichten konzentrierter und greifbarer für den Leser.
Man kann also sagen, dass die Freiheit, die Maike Wetzel mit dem Erfolg ihres Debüt gewonnen hat - sie muss sich nun nicht mehr behaupten - ihren Erzählungen durchaus zugute kommt. (Was großartig ist, da viele Schriftsteller nach dem ersten Erfolg an dem daraus resultierenden Erwartungsdruck scheitern.) Der Leser fühlt sich hier nicht mehr durch plötzliche Brüche vor den Kopf gestoßen und kann damit die Geschichten in ihrer ganzen Intensität aufnehmen ohne unerwartet rausgeworfen zu werden.
Wer "Hochzeiten" mag, wird "Lange Tage" lieben.

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