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Landschaft mit Wölfen: Landschaft Mit Wolfen
 
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Landschaft mit Wölfen: Landschaft Mit Wolfen [Taschenbuch]

Matthias Altenburg
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 158 Seiten
  • Verlag: Dtv (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423127155
  • ISBN-13: 978-3423127158
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 772.713 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Matthias Altenburg
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Schaf im Wolfspelz

Matthias Altenburgs «Landschaft mit Wölfen»

Vor einigen Jahren veröffentlichte Matthias Altenburg eine gewollt ungerechte Attacke gegen den anämischen Zustand der deutschen Belletristik, zumal der von jüngeren Autoren verfassten. Als Rezept empfahl er ihnen die Auffütterung ihrer blassen Erzählungen und schlaffen Romane mit jener Materie, die allgemein Leben genannt wird. Von diesem machte sich Altenburg ein einfaches, wenn auch ein wenig ödipal gefärbtes Bild. Er verglich das Leben, die unermüdliche Versorgungsquelle der Literatur, mit einer «dicken Mama». Die Erinnerung an diese Metapher stellt sich bei der Lektüre von Altenburgs neuer Erzählung deshalb ein, weil der Ich-Erzähler nach einigen Seiten seiner Mutter den Tod wünscht, was durchaus Folgen hat für den Gang der Erzählung. Denn sie spielt keineswegs auf Mamas Schoss, anders gesagt: keineswegs mitten im Leben, sondern im Übergangsbereich zu dessen Imitation.

«Es ist alles wie im Film», «Es ist alles wie im Fernsehen», äussert der Ich-Erzähler in Abständen, verbittert von der Gefälschtheit seiner Umgebung, angewidert von der Abgestandenheit einer Szene, die eben noch Handlung, Spannung, Echtheit versprach und nun unter seinem bösen Blick in sich zusammenfällt. Denn unschuldig ist er an der Leblosigkeit nicht. Sie ist ein Resultat seiner entwertenden Wahrnehmungsweise und seiner Liquidierungsphantasien. Sie löschen einen Erzählmonolog aus, in dem die Realität gründlich abserviert wird.

Die Menschen sind verformt, ohne Würde und Anstand, sie sind blöde und verfressen. Die Gesellschaft stellt eine Mischung aus Psychiatrie und Talk-Show dar, die Zivilisation einen Haufen ungetrennten Mülls. Die Stadt ist «voller Rotz», und die Liebe ist ein Billigangebot. Einmal folgt der Ich-Erzähler einem der Hoffnung nahestehenden Impuls und geht über die Strasse zum gegenüberliegenden Haus, um die drei jungen Asiatinnen kennenzulernen, die er seit einiger Zeit beobachtet und deren junge, pausenlos vergnügte Gesichter eine gewisse Unverbrauchtheit versprechen. Vor der Wohnung der Asiatinnen trifft der Besucher auf eine kleine Warteschlange von Männern. Denn natürlich ist es so, wie jeder Fernsehzuschauer aus jeder Thailand-Reportage weiss – die Frauen gehen dem Gewerbe nach.

Der Erzähler läuft sofort weg. Weniger enttäuscht denn in der mit sich selbst getroffenen Verabredung bestätigt, dass eine derart abgenutzte, «abgenudelte» Realität sich keinesfalls als Schauplatz eignet, in dem Mama Leben sich einrichten und entfalten könnte. So entsteht aus der Erzählung «Landschaft mit Wölfen» zwar ein grossformatiges Stimmungsbild, genauer gesagt das Bild einer allgemeinen, aggressiven Katerstimmung. Aber eine in der Aussenwelt spielende kräftige Geschichte entsteht nicht.

Vor drei Jahren veröffentlichte Matthias Altenburg die schöne Novelle «Die Toten von Laroque», deren Held die Realität ebenfalls durch den Schleier der Entfremdung sah. Aber der kam dort nicht auf die Idee, dass ihn hinter jeder Tür nur ein Déjà vu der Medienrealität erwarte. In der Geschichte, die ihm widerfuhr, machte er keine besonders gute Figur. Doch sie widerfuhr ihm. Die Voraussetzung dafür war allerdings, dass er überraschbar war von den Dingen, Räumen, Personen, Konstellationen um ihn herum. Das ist bei seinem Nachfolger anders. Er weiss Bescheid, wenn er nur hinsieht.

Von der Aussenwelt nichts mehr erwartend, hat er Entwicklungen für sein Innenleben reserviert. Er erzählt die aufsteigende Linie seiner psychischen Verfassung von der Übellaunigkeit, mit der er am Textanfang aus dem Schlaf aufwacht, zum Hass, von diesem zum Vernichtungswunsch und zuletzt zum Amoklauf. Am Ende schiesst er in eine Menschenmenge. Einiges spricht allerdings dafür, dass sich auch das in seinem Kopf zuträgt, in einem Tagtraum; als Imitation des Lebens also.

Ganz echt ist der Held und Erzähler auch selber nicht. Er ist eine Genrefigur. Die Figur des einsamen Wolfs, der unterwegs ist in der Grossstadtsteppe. Seine Heimat ist die amerikanische, vor allem die kriminalistische Literatur. Aus dieser verpflanzte Matthias Altenburg ihn in die heutige Bundesrepublik, in die Stadt Frankfurt. Doch die Gefahren, die zwischen Konstabler Wache und Glauburgstrasse drohen, gehen nicht von der Unterwelt aus, sondern von der Welt der Mittelmässigkeit.

Daran ändern auch kleine Berührungen mit dem Kriminellen nichts. Einmal unternimmt der Erzähler eine Sauftour mit einem schrägen Vogel aus dem Milieu. Ein andermal gibt er sich, aus Langeweile und ohne recht zu wissen warum, dafür her, einen Drogentransport auszuführen. Und auf einer gedämpft entgleisenden Wohlstandsparty steckt er genauso gedankenlos eine Pistole ein.

Es gelingt Matthias Altenburg allerdings, den Zustand seines Helden zwischen Getriebenheit und Dahintreiben, zwischen Hektik und Apathie, Suche und Flucht deutlich zu machen. Und er verfügt über eine abrupte, elliptische Erzählweise, die geeignet ist, fiebriges und zwanghaftes Denken abzubilden, die Kurzschlüsse im Kopf aufs Papier zu bringen. Aber es ist das Format der Erzählerfigur, das nicht stimmt. Sie ist zu krank und zugleich zu gesund. Zu gewaltsam und zugleich zu zahm. Zu paranoid für den Typus des sozial abgerutschten Grossstadteremiten. Zu gewissenhaft für einen Paranoiker. Selbst in seinen militantesten Verwünschungstiraden hört er nicht auf, darauf zu achten, sich als Polemiker verständlich zu machen.

Matthias Altenburg hat einen ziemlichen Horror vor intellektueller Korrektheit, vor Versöhntheit, geistiger Gruppenbildung und kulturbürgerlichem Schmus. Er hat einen Hang zur gedanklichen Drastik, zum starken Wort und zur Übertretung. Und er hat Angst vor der eigenen Courage. Wenn der zu diesem Zeitpunkt schon recht durchgeknallte Erzähler das Kapitel über den sechsten Tag mit dem Satz beginnt: «Manchmal denkt man, der Krieg sei die Lösung», kommt er schon mit dem Anschlusssatz wieder zur Vernunft: «Natürlich weiss man, dass das Unfug ist, dass er nur Schmerzen und Elend bringt.» Vermutlich ist es der Überschuss an provokanter Absicht einerseits und der Mangel an Konsequenz andererseits, die solche Passagen aus dem Gleichgewicht bringen. Es sind Mitteilungen eines Schafs im Wolfspelz.

Ursula März -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Von den Frauen geliebt und verlassen, von Kindern verlacht und von Nonnen getröstet, ist er ein innerlich amoklaufender Flaneur, der nach Nähe giert und sie nicht ertragen kann.

›Landschaft mit Wölfen‹, das sind sieben heiße Julitage im Leben von Neuhaus, dem Helden dieses Romans. Er streift durch sein Viertel, geht auf Partys, schaut in alle Fenster und mustert seine Umgebung wie ein hellwacher Gott seine verkommene Schöpfung: Eine Welt, die aussieht, als warte sie auf Erlösung.

Mit seiner schnellen, klaren Sprache bringt Matthias Altenburg einen Ton in die neue deutsche Literatur, der am ehesten an die Songs von Tom Waits und die Filme von Jim Jarmusch erinnert.


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Endzeitstimmung mit Humor, 14. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Landschaft mit Wölfen (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist unwiderstehlich gut, nach wenigen Seiten mochte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Die Sichtweise, mit der die Hauptfigur durch das Leben schreitet, ist düster und lustig zugleich beschrieben, die Sprache knapp aber deutlich. Viele werden sich in dem tragischen Helden wiederfinden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Alles möglich in Frankfurt, aber nicht alles wahrscheinlich, 24. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Landschaft mit Wölfen: Landschaft Mit Wolfen (Taschenbuch)
Sooo schlecht ist "Landschaft mit Wölfen" nicht. Die Stimmung ist morbide (wenn auch die Methoden, diese Stimmung herzustellen, nicht immer überraschend sind: tote Tiere, Beerdingungen, naja, das ist vielleicht manchmal etwas durchsichtig und nicht besonderes neu) und dann besonders gut, wenn Altenburg das Verkommene im unspektakulären Alltagshorror findet. Wenn er dann aber exzentrisch sein will, wird's schnell albern, z. B. beim finalen Show down. Frankfurt als Ganzes finde ich ziemlich gut getroffen, obwohl man sich als Frankfurt-Insider schon etwas wundert, in welchen Vierteln Altenburg welche Stimmungen ansiedelt. Das idyllische Nordend wird hier mehr oder weniger zu South-Central-L.A., während das durchaus explosive Gallus-Viertel ein schlichter, simpler Handlungsort bleibt. Aber das sind Details, die insbesondere den Auswärtigen nicht hindern sollten, Altenburg zu lesen. Ich mochte das Buch.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Man traut seinem Verstand kaum, 20. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Landschaft mit Wölfen (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte dem Leser nichts über die Handlung verraten, da ich so etwas vorwegnehmen würde, dass den Spaß am Lesen dieses Buches ausmacht. Aber was kann ich trotzdem schreiben um mein Lob für dieses Werk zum Ausdruck zu bringen?

Matthias Altenburg gelingt es in seinem Buch "Landschaft mit Wölfen", den Leser mit sich selbst zu konfrontieren. Ist nicht mancher Gedanke des Protagonisten doch zutiefst menschlich, oder verständlich, wenn auch das was er tut, vollkommen unakzeptabel ist?!

Altenburg gelingt es mit seiner einfachen Sprache und den gewählten Stilelementen eine eigene, graue, doch trotzdem auf ihre Art schöne Atmosphäre zu schaffen. Wer muss schon "American Psycho" lesen, wenn man es einfacher, weniger dramatisch und mit ein wenig mehr Gefühl für die Grenzen der Fiktion haben kann! Letztendlich ist dieses Buch unterhaltsam, für den Leser gleichzeitig vielleicht erschreckend und letztendlich regt es zum Nachdenken darüber an, was uns vielleicht unterscheidet - und vor allem, was "Normalität" eigentlich ausmacht.

Diese Bewertung ist recht subjektiv, ich kann nur sagen, dass mich seit fünf Jahren kein Buch (vielleicht Eugenides Middlesex und Virgin Suicides) so beeindruckt hat wie dieses Buch eines im positiven Sinne eigensinnigen deutschen Autors. Vielen Dank.
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